Stern und Kaffee in Regensburg

Wer in Regensburg Essen gehen will, dem stehen Leckereien zur Auswahl, noch und nöcher, eine ähnliche Vielfalt an lokalen Produkten gibt es kaum in Bayern. Glücklicherweise sind das Spezialitäten urbayerischster Natur. Wer aber mal über den Tellerrand schmecken und nach Sternen greifen will, dem sei das Storstad an den Ranzen gelegt.

Beim Türgriff weiß man schon, woran man ist.

Beim Türgriff weiß man schon, woran man ist.

Und weil ein Tag voller Essen müde machen kann, gehen wir erst einmal in die Kaffeerösterei Rehorik, um prophylaktisch Koffein zu tanken. Aus der Reihe fallen wir nicht, denn die Rösterei spielt ebenfalls ganz oben in der kulinarischen Liga mit. 1924 in Karlsbad gegründet, wurde die Familie nach dem Krieg vertrieben und siedelte sich in Regensburg an. Seit Jahrzehnten gibt’s dort auch einen Wein- und Spirituosenfachhandel. Seit Anfang der 90er, also immerhin schon lange vor der Hipsterwelle, steht man in persönlichem Kontakt mit den Kaffeebauern in Guatemala und zahlt einen fairen Preis. Der Laden ist voll, wir sitzen in einem länglichen Gang an einem schmalen Tischchen und bestellen dort einen Espresso. Mir schmeckt er leicht säuerlich, mit Zucker aber ist er ganz gut.

Das Auge isst mit, da hat sich der Kabeljau ein buntes Plätzchen ausgesucht.

Das Auge isst mit, da hat sich der Kabeljau ein buntes Plätzchen ausgesucht.

Brot mit Suppe.

Brot mit Suppe.

Dann begeben wir uns in das Storstad. Wir haben reserviert, 35 Euro für ein 3 Gänge Menü. Am Mittag natürlich, da ist es günstiger, Business Lunch nennt sich das. Storstad ist schwedisch und bedeutet Großstadt, eine Ansage für Regensburg. Gut, das ist immerhin DIE Großstadt der Oberpfalz. Wir betreten das Haus und müssen erst einmal mit dem Aufzug nach oben fahren. Das Lokal hat den Red Dot Desing Award gewonnen, skandinavisch schlicht aber edel kommt der Innenraum daher.

Der traditionelle erste Gang: Kaninchen.

Der traditionelle erste Gang: Kaninchen.

Chefkoch Anton Schmaus hat mit dem Historischen Eck in der Stadt schon die Latte hoch angelegt und sich einen Stern erkocht. Der erlosch mit der Schließung dieses Lokals. Im Storstad dauerte es nur fünf Monate, bis hier ebenfalls der Michelin-Stern aufging. Insgesamt ist Deutschland übrigens nach Frankreich auf Platz 2 in Europa, was die Zahl an Sterne-Restaurants angeht. Die überaus zuvorkommende und nicht nur für bayerische Verhältnisse sehr freundliche Bedienung geleitet uns zu unserem Platz.

Die Aussicht kann sich sehen lassen.

Die Aussicht kann sich sehen lassen.

Die Inneneinrichtung ist nüchtern, aber nicht ungemütlich.

Die Inneneinrichtung ist nüchtern, aber nicht ungemütlich.

Zunächst bekommen wir selbstgebackenes Brot gereicht, das etwas an indisches Nan-Brot erinnert, so mit weißem und schwarzem Sesam. Dazu gibt’s einen milden, nach Gemüse schmeckenden Aufstrich. Als Gruß aus der Küche kriegen wir dann noch eine feine Zitronengrassuppe.

Im Lokal kann man wählen zwischen einem innovativen, einem traditionellen und einem vegetarischen Menü.

Ich hatte das innovative. Das war zunächst Kabeljau mit Puntarelle und Mango. Der Kabeljau war sehr fischig, die Mango nicht so fruchtig, aber brachte Abwechslung in den Mund. Die Puntarelle, ein Spargelchicorée, ist angedünstet. Darauf ein paar Rucolablättchen, die nur mit Salz gewürzt sind. Einfach, aber top!

Der innovative Hauptgang. Isst man das nun mit Gabel oder Löffel?

Der innovative Hauptgang. Isst man das nun mit Gabel oder Löffel?

Schaut klein aus, war aber top, der traditionelle Blauleng.

Schaut klein aus, war aber top, der traditionelle Blauleng.

Der Hauptgang ist ein Tafelspitz, aber kein einfacher, immerhin habe ich ja das innovative Menü. Das Fleisch kommt nämlich in einem Dashi, einem japanischen Fischsud daher, dazu gibt’s Udon-Nudeln, Eigelb, Koriander, Schwammerler und noch etwas grünes, ich vermute Mangold. Das schmeckt schon sehr interessant. Ich habe zwar etwas Probleme, die wirklich guten Nudeln auf den Löffel zu kriegen, aber die Schwammerler sind top und das Fleisch hat Röstaromen wie bei einem wirklich sehr guten Burger.

Schmeckt so ungewöhnlich, wie es aussieht.

Schmeckt so ungewöhnlich, wie es aussieht.

Auch was feines.

Auch was feines.

Nachtisch: Schokolade mit Olive und Jackfrucht. Die Schokolade ist gut, der Brownie sehr üppig, die Jackfrucht interessant. Das Oliveneis ist seltsam, nicht schlecht, aber doch ungewöhnlich. Generell muss man sagen, dass bei solchen Menüs die Geschmacksnerven gefordert werden, weil eigentlich kuriose Kreationen im ersten Moment scheinbar nicht zusammenpassen, aber dann doch ein interessantes und anregendes Ganzes ergeben. Und sie machen Lust, selber in der Küche mal rumzuexperimentieren.

Beim Mokka musste man warten, bis sich das Kaffeepulver unten gesetzt hat.

Beim Mokka musste man warten, bis sich das Kaffeepulver unten gesetzt hat.

Mein Gourmet-Kollege hatte das traditionelle Menü. Als ersten Gang Kaninchen mit Aubergine, Pflaume und Mangold, sehr lecker. Es wurde allerdings vom Hauptgang übertroffen: Blauleng (ein Fisch) mit Wurzelgemüse und Kartoffel in einer aufgeschäumten Soße. Die Nachspeise war Grieß mit Vanille, Quark und Rhabarer, ebenfalls super, sein Fazit: Kaum in Worte zu fassen. Danach kriegen wir eine Art türkischen Honig, der aber aus Frankreich kommt, mit Erdnuss. Zwar nur ein Stückchen, aber das ist schon sehr heftig. Zum Schluss gibt’s Mokka aus einer kupferner Kanne, den der Ober direkt am Tisch zubereitet. Dazu ein feines Stückl ganz flacher Käsekuchen.

Zum Trinken hatten wir ein Mineralwasser für 6,80 die 0,75 Liter Flasche. Und einen halbtrockenen Riesling von 2008 vom Weingut Dr. Loosen. Top fruchtig, fast wie eine Auslese, Kostenpunkt sechs Euro für 0,1 Liter.

So, wünsche wohl gemundet zu haben sagt da das Menü. Jawoll, sagen wir, hat gepasst. Und das ist ja bekanntlich für einen Oberpfälzer das größte Lob. Freilich, sowas leistet man sich nicht jeden Tag, aber wenn man dieses Menü mit den Menüs anderer Sterne-Lokale vergleicht, ist es was den Preis angeht unschlagbar. Andere Michelin-Köche werden wir irgendwann wohl auch besuchen, dann können wir sagen, ob die in der Qualität ähnlich gut sind.

Eine Bar gibt es übrigens für den Abend, da sollten wir vorbeischauen, immerhin wird dort äußerst reizvolles Barfood angeboten. Wer jedoch im Restaurants die Abendmenüs verkosten will, sollte den ganz dicken Geldbeutel (zumindest für die Oberpfalz) mitnehmen.

Der Rehorik hat eine Schaurösterei.

Der Rehorik hat eine Schaurösterei.

Wir verlassen das Lokal, schauen wie so oft im Bachfischer vorbei, immerhin muss ich mich mit Tee eindecken. Danach suchen wir wieder den Rehorik auf. Diverse Whiskys, Rums, Brände, international wie lokal und regional bieten sich uns dar. Man fühlt sich fast wie im Dallmayr. Ich kaufe mir jedoch eine Limo, Lemon Monaco genannt. Schmeckt mir aber leider nicht, irgendwie zu seifig.

Darauf eine Semmel in der Wurschtkuchl, kein Problem für den Sternemagen.

Und weil aller guten Dinge drei sind, gehen wir noch einmal in den Rehorik, jetzt wieder zum Kaffee trinken.

Die Lemon Monaco würde ich nicht nochmal kaufen.

Die Lemon Monaco würde ich nicht nochmal kaufen.

Diesmal sind wir ganz Hipster und probieren die neuen Kaffee-Zubereitungsarten aus. Der wie ein Dixie-Klo klingende Name Chemex steht für eine ultrastylische Kaffeekanne. Eine X-förmige Glaskaraffe mit einer hölzernen Manschette in der Mitte. Oben kommt ein Kaffeefilter rein, eigentlich ganz normaler Filterkaffee wie bei Oma, nur halt moderner. Schmecken tut es wie Tee, sehr mild, an sowas könnte ich mich gewöhnen. Was vielleicht auch daran liegen könnte, dass die Rehoriks auch ihr Wasser filtern, das ist in Regensburg immerhin recht kalkig.

Es wird ein weiterer Kaffee bestellt, der kommt in einer Aero Press daher. Das ist ein rohrähnliches Gebilde, in dem der Kaffee wie in einer Bodum-Kanne durch Runterdrücken zubereitet wird. Der Ober macht dass dann nach genauer Abmessung der Zeit höchstpersönlich, denn dazu braucht es ordentlich Kraft, weibliche Bedienungen kommen da angeblich arg ins Schwitzen. Dieser Kaffee schmeckt mir dann aber etwas säuerlicher. Darum bleibe ich bei meiner guten Maracujaschorle.

Wer also abseits der wunderbaren Regensburger Traditionsgaststätten etwas feiner essen will, und dennoch einen fairen Preis erwartet, der darf sich auf das Storstad freuen. Der Kaffee-Unkundige kann beim Rehorik staunen, richtig auf seine Kosten kommt hier eher der Koffeinjunkie.