Unterirdische Dance-Freuden

Bereits die Durchgänge sind schön anzuschauen, hier bei unserem ersten Besuch.

Die Suite 15 ist einer DER Regensburger Kult-Clubs! Weltberühmte Electro-Künstler wie DJ Hell machen zwischen LA und Singapur Station, um hier aufzulegen. Einst war sie im St. Peter Weg gelegen, zog dann zwischen 2010 und 2015 wegen des Neubaues des darüberliegendes Parkhauses in die ehemalige Kirche an der Erhardigasse beim Kolpinghaus um. Mittlerweile befindet sie sich wieder an ihrem angestammten Ort und hat Nachwuchs bekommen. Im Zuge der Helmut Dietl Renaissance trägt das Kind den Namen Schimmerlos, also jenes schillernden Boulevard-Reporters aus Kir Royal.

Auf dem Fluchtplan wird das Ausmaß des Komplexes sichtbar.

Bei unserem ersten Besuch waren Suite 15 und Schimmerlos noch zwei getrennte Clubs mit jeweils separaten Eingängen und zweifachem Eintrittsgeld. Mittlerweile gibt es einen direkten Gang zwischen den beiden Clubs, man hat also einen alternativen Tanzraum, wenn einem die Musik im anderen nicht gefällt. Insgesamt ist das Gelände wunderbar verschachtelt gebaut, über-, unter- und nebeneinander. Die Feierzonen bestehen aus Tonnengewölben, herausragend für jeden Freund des, na?, genau: Tonnengewölbes. Denn seit dem 13. Jahrhundert war das ein großer Klosterkomplex diverser Orden, sogar ein Priesterseminar war dabei. Napoleon löste alles auf, erhalten blieben nur die Keller. Auch deswegen, weil sie im 2. Weltkrieg als Luftschutzkeller bautechnisch gesichert wurden. Nach dem Krieg zogen allerlei Tanzlokale ein, 1999 die Suite 15.

Der Bauhistoriker jubelt schon am Weg zum Klo.

Wir wollen den DJ Nico Push in der Suite 15 sehen, bzw. hören. Die Karten kosten 8 Euro zzgl. 1,90 Vorverkaufsgebühr. Am Eingang hängt ein Schild, dass es drin sehr laut werden könne und für Gehörschäden nicht gehaftet werde. Allerdings gebe es gratis Ohrstöpsel an der Garderobe. Toller Service. Das muss ja echt laut werden, wenn die da extra darauf hinweisen. Als wir dann an der Garderobe sind, heißt es: „Ohrenstöpsel leider aus.“ Oh oh… Zum Glück nehme ich zum Dancen stets vorbildlicherweise meine eigenen Ohrenfilter mit. Kann ich jedem nur empfehlen. Sie filtern vor allem die nervigen Höhen, man kann sich ganz normal unterhalten, und der Bass kommt besonders zur Würze. Wir gehen rein und gehen an der alten Stadtmauer vorbei, wie ein Freund meint. In der Suite ist eher wenig los, kaum halb voll. Und da sind die Ohrenstöpsel schon aus?! Irgendjemand raucht hier eine verbotene Substanz, tztztz.

Der Gin Tonic für 7,50 ist recht gut, auch der Cuba Libre. Nicht teurer ist der Wodka Energy, kredenzt mit dem eigenen Energy-Drink namens Speed 15. Als Wein wird leider Grüner Veltliner ausgeschenkt, das gibt Punkteabzug!

Jemand hat ein T-Shirt mit der Aufschrift „Carpe that f***cking diem“ an, ich hoffe, der Träger hat Latein gelernt. Ansonsten wirkt das eher wie eines der zahlreichen ironischen Hipsterleiberln aus der Retorte. Leider kann uns niemand sagen, wann denn nun dieser DJ auflegt. Also schauen wir uns weiter um.

Die Tanzfläche in der Suite wird bestimmt von uralten Säulen.

Über einen Gang gelangt man direkt ins Schimmerlos. Da ist es deutlich voller, aber noch nicht gestopft. Seltsamerweise tanzen alle Gäste wie beim Aerobic in Reih und Glied geordnet nach vorn zum DJ. Ich schaue mir das verwundert an. Bei einem ersten Besuch vor über einem Jahr gab es im Schimmerlos noch mehrere Bars und eine an Ketten hängende Euro-Palette als Hollywood-Schaukel. Ganz nett, wenn man sich mit einer Madame etwas näher unterhalten wollte. Diese Dinge sind gewichen, derzeit gibt es nur eine Bar. Das Klo wird mit der Suite 15 geteilt. Da der DJ aber immer noch nicht da ist, schauen wir kurz auf einen Drink in die Barock Bar und dann wieder zurück. Mittlerweile bin ich von einem überbordenden Sendungsbewusstsein erfüllt, stelle mich vorn rein ins Schimmerlos und tanze in die entgegengesetzte Richtung. Leute, seid doch mal ein bisserl durcheinand! Die Liberalitas Bavariae gilt auch und gerade auf dem Dancefloor! Denn die Musik ist sehr gut.

Manches Detail kommt in der Dunkelheit überraschend zum Vorschein.

Allerdings sind nicht immer alle Besucher freundlich. Beim ersten Besuch gab es auf der Tanzfläche einen sehr nervigen Typ mit der Körperhaltung eines aufgedunsenen Grottenolms, gekleidet wie ein ebensolcher nach einem Batikfestival. Er suchte anscheinend Streit oder hat Bedenken wegen seines Weibchens, ich musste schon mehrfach mit ihm Klartext reden, aber irgendwann verzog er sich in seine Höhle, bzw. Ecke. Solche Olme sind hier zum Glück ansonsten nur selten anzutreffen.

Irgendwann gehen wir dann wieder rauf in die Suite, der berühmte DJ ist da! Allerdings höre ich kaum einen Unterschied zu vorher o_o Egal, tanzen wir halt wie gehabt weiter. Bämbämbäm. Stickig oder überhitzt, wie es in manchen Kellerclubs der Fall, ist es hier selbst zu vorgerückter Stunde nicht.

Fazit: Die Weinauswahl sollte dringend von österreichischem Veltliner-Plempl zu fränkischer Bacchus-Granate geändert werden. Die Ohrenstöpsel müssten die Betreiber ebenfalls nachordern. Ansonsten ist der Ort das einzig unterirdische dieser beiden Clubs, und der ist schon ausgezeichnet. Hingehen, denn: Das Auge dancet mit!

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