Winterreise

Wandern tut man gern im Sommer und im Herbst. In der Oberpfalz ist es jedoch das ganze Jahr über schön. Wie wär’s denn mal mit einer nachweihnachtlichen Winterwanderung im Waldnaabtal? Ans Essen wird natürlich auch gedacht.

Eisgras

Der Oberpfälzer Winter ist hart, aber die Oberpfälzer sind noch härter. Sogar die Kräuter haben die cojones, um dem Eis zu trotzen.

Die Helden unserer Geschichte treffen sich am 27.12., zu jener Zeit ein Sonntag. Im Gasthof Prockl (Zum Roten Ochsen) in Falkenberg wurde ein Tisch reserviert und Gänsebraten bestellt. Das empfiehlt sich ausreichend im Voraus zu machen, da gerade am Sonntag im Prockl immer recht voll ist. Eine Gruppe von mehr als zehn Männlein und Weiblein findet ansonsten keinen Platz. Am Telefon meinte die Bedienung noch, dass sie Gans nur machen würde, wenn genügend Leute zusammenkommen. So kurz nach Weihnachten hat doch jeder schon zu Hause eine gegessen. Gegen 12 Uhr betreten wir das Wirthaus, fast jeder Gast hat eine Gans vor sich. Aha.

Gans und Gloria

Dank der Vorbestellung braucht die Gans nicht allzu lang. Und der Geschmack ist phänomenal, besser wie daheim, tönt es aus der Runde. Vorher noch eine Leberknödelsuppe, auf Nachspeise wird verzichtet. Um halb zwei marschieren wir dann los. Der Weg führt noch ein bisschen durch Falkenberg, und dann über eine mit Puderschnee verzuckerte Feld-Fluss-Wäldchenlandschaft hinein in den großen Wald, Richtung Waldnaabtal. Nach einigem Suchen finden wir auch den richtigen Weg und machen das zweite Bier auf. Gerade im Winter empfehlen sich eher gehaltvolle Biersorten mit viel Stammwürze. Natürlich führen wir auch Tee in Thermoskannen mit. Hier bitte nicht allzu viel Alkohol dazugeben, da der Körper auf die lange Wanderstrecke ansonsten zu sehr auskühlt.

Die mächtigen Granitblöcke des Waldnaabtales säumen den Weg, in den verwitterten Ritzen der Wollsackformationen bilden sich Eiszapfen. Ab und zu spitzt noch etwas Moos unter den Schneemützen hervor. Wir kommen am Sauerbrunnen vorbei. Eine Quelle, die aus einem massiven Granitblock entspringt. Das Wasser ist trinkbar, schmeckt aber aufgrund des hohen Eisenanteils säuerlich. Vom Sauren lustig gemacht erreichen wir das Butterfass. Hier tobt sich die Waldnaab zwischen wuchtigen Granitfelsen im Fluss aus, es tost, gischtet, brodelt. Der Sage nach sollen hier einige Ritter zu Stein geworden sein, als sie einer braven Bauerstochter nachstellen wollten. Die abschüssige Granitplatte, die vom Fußweg hinführt ist völlig zugeschneit. Da gehen wir lieber nicht rauf, zu leicht könnte man abrutschen. Und dann ist man weg.

Päuschen fürs Kläuschen

Die Hälfte der Strecke ist geschafft, die Blockhütte liegt vor uns. Am Wochenende hat sie auch im Winter geöffnet, wir fragen uns, für wen überhaupt? Als wir das Ausflugslokal betreten wird uns klar für wen: Gerammelt voll bis auf den letzten Platz, unsere Gruppe muss sich auf mehrere Tische und Räume aufteilen. Hier wärmen wir uns erstmal auf. Die Aufwärmerei dauert und dauert, man ist halt schon so gemütlich. Doch die Zeit drängt, denn es wird dunkel. Fackeln sind leider in Waldgebieten untersagt. Es sei denn, man hat eine feuerpolizeiliche Unterweisung erhalten. Und das war uns dann doch zu aufwändig.

Zum Glück ist der Weg nach Windischeschenbach etwas ausgeschildert. Die landschaftliche Schönheit lag aber klar im ersten Teil der Wanderung. Also immer von Falkenberg nach Süden wandern, nicht umgekehrt.

Der letzte Abschnitt führt an einer Straße entlang und rein ins Dorf. Pfff. Dorf. Stadt. Windischeschenbach. Neben Neuhaus der wichtigste Zoiglort. Wird auch Zeit. Auf dem Weg haben wir die Thermoskannen geleert und wunderbaren Wein aus Escherndorf getrunken. Der war dank den Außentemperaturen gut gekühlt, wie wir mittlerweile auch.

Am Ziel

Rrrrrummssssss, die Tür fliegt auf, Seeeaaaarvuuusssss!!! Holterdipolter rumpeln wir stocksteif gefroren in den Binner Zoigl. Der hat heute offen, der erste nach den Weihnachtsfeiertagen. Anscheinend fühlten sich die Eschawecker daher als zu lange auf dem Trockenen gesessen, auch die Zoiglstube ist gestopft voll. Wir trennen uns auf in einen Männer- und einen Frauentisch. Die Frauen bekommen vom Wirt gleich eindeutige Avancen gemacht, was sie aber seltsamerweise nicht erfreut. Die Männer werden hinter die Destille platziert, ins hinterste Eck. Die weibliche Bedienung macht zwar keine Avancen, erfreut die Männer aber dennoch durch ihre liebreizende Anwesenheit. Bescheiden muss man sein, dann ist das Leben schön.

Ganz unbescheiden sind wir im Dinieren, die Käseplatten sind ein Fest für Auge und Gaumen, sogar ein tête de moine findet sich darauf. Dazu Zoigl und Binnergeist. Eigentlich hätten wir nun wieder genügend Kalorien für die Heimreise. Doch den nach Hause Weg treten wir mit unseren motorisierten Mamis an. Es ist Winter, wer soll denn da wandern?

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