Wir fressen uns durch Regensburg

Ein kulinarisch-kultureller Rundgang durch die Oberpfalz-Metropole

Auto abgestellt, über den Fluss in die Stadt gegangen. Es ist circa 22.00 Uhr. Erstmal was zwischen die Kiemen kriegen. Wir haben so Hunger! Auf dem Weg kommen wir an einer Metzgerei vorbei. Geschlossen. Ou Mann, a Leberkas-Semmel, des warert was… Is aber zuhu! Also weiter, wir gehen ins Picasso. Unter schick beleuchtetem gotischen Kreuzrippengewölbe ist hier eine Cocktailbar mit DJ untergebracht. Wir bestellen Chili, schmeckt ordentlich, nicht außergewöhnlich, aber immerhin gewölbt sich der Bauch gegen die Rippen und das Kreuz.

Da stehen sie, die fleißigen Meisterinnen

Da stehen sie, die fleißigen Wurstkuchl-Meisterinnen

Leute, verteilt euch, jetzt wird getanzt, und zwar in der Suite15. In einer ehemaligen Kirche ist hier einer der legendärsten Regensburger Clubs untergebracht. Früher nahe des Schlossparks, hat die neue Verortung extremes Kultpotential. Wer legt auf? DJ Hell. Leider spielte er zu wenig seine eigenen aktuellen Stücke. In der Suite15 gibt’s eigens gebrautes Bier, geschmacklich nicht zu empfehlen. Leberkäs haben die auch, aber das Chili lümmelt immer noch im Magen rum und macht keinen Platz frei. Ich frage einen Türsteher, warum in Regensburg denn um vier Sperrstunde sei? Ja, meint er, man habe mal experimentiert, länger aufzumachen, aber das habe sich nicht rentiert. Denn später wären nur die Druffis da gewesen, die sich in den Toiletten unter die Wasserhähne legten und sonst nix trinken würden. Ist das Geheimnis also gelüftet.

Frühstück

Augen zu, Augen auf, nächster Morgen, aufgestanden und wieder rein in die Stadt.

Einst ging ich am Ufer der Donau entlang ohohohoholalala. Eine schöne Bedienung in der Metzgerei Wolf ich fand ohohohoholalala. Nein, ich machte mich nicht über die Bedienung her, sondern über eine Leberkas-Semmel. Die Metzgerei (genau die) war mir ja schon am Abend vorher aufgefallen, direkt am Uferweg der Donau gelegen, eingerahmt in umwachsene Häuslein, wunderschön. Wie lange sich wohl diese Metzgerei für normale Menschen in diesem Spitzen-Gebiet halten kann? Überall hier schießen Villen für Besserbetuchte aus dem Boden. Die Leberkäs-Semmel kostet irgendwas um die 1,50 Euro. Geschmacklich ok.

Und da liegen sie, die gemütlichen Brutzelchen

Und da liegen sie, die gemütlichen Brutzelchen

An der Donau entlang geht’s weiter, über die Eiserne Brücke.

Kurz vorm nächsten Ziel ist die Leberkäs-Semmel terminiert und wir wenden uns wohl der berühmtesten kulinarischen Eigenheit Regensburgs zu: Der Wurstkuchl. Vor fast einem Jahrtausend als Baubüro der Steinernen Brücke errichtet, fütterte sie später die hungrigen Hafenarbeiter durch, heute zieht sie hungrige Touristen und Flaneure an. Wenn sie nicht gerade unter Wasser steht, was die zahlreichen Hochwasser-Markierungen an der Außenwand zeigen. Die Aussicht auf die mittelalterliche Brücke und den Salzstadel ist ganz passabel, das schönste Panorama aber richtet sich in die Wurstkuchl. Unter einer niedrigen Decke, die von wuchtigen, schwarzgeräucherten Balken getragen wird, steht eine mächtige Feuerstelle, auf der kleine Bratwürstlein vor sich hin brutzeln. Alles hier ist äußerst delizioso. Die Semmeln sind Kümmelkipferln, ordentlich fest mit gutem Kümmelgeschmack. Die Bratwürsteln könnten den Nürnbergern Konkurrenz machen (DAS ist eine Kampfansage, was?). Begleitet werden sie von hausgemachtem süßem Senf, der Händlmayer ist schon gut, aber der ist deutlich besser. Wer mag, kriegt aus einem riesigen Topf gekochtes Sauerkraut mit in die Semmel rein, damit ist wohl jeder Bayer wunschlos glücklich. Gesund, nahrhaft, lecker.

Mampfnudeln

Alles Straßen und Gässlein führen zum Dom

Alle Straßen und Gässlein führen zum Dom

Weiter geht’s, die Nachspeise wartet. Durch die engen Gässchen der Altstadt wuseln wir uns durch, überall zeigen sich reizende Erker und alte Portale. Hier und da stehen noch Blumenkästen in offenen Fenstern, durch die Gardinen nach draußen wehen. Fast wie aus einem Bild von Spitzweg. Mancherorts siehts noch a wengerl ranzig, aber dafür studentisch belebt aus. Woanders findet man dann schnieke Boutiquen und stylishe Coffee-Houses aus dem Boden schießen. Für die schönen und reichen Regensburger Prenzlberg Mütter, bei denen auf dem Coffee-Tabel daheim die

A sowos vo bairisch

A sowos vo bairisch

Landlust oder Nido rumliegen. Die Fürstin Gloria von nebenan mögen viele Leute zwar nicht wegen ihres doch sehr überspitzten Katholizismusses, man ist aber doch froh drüber, dass sie für etwas kosmopolitischen Glamour sorgt. Wir schauen kurz in so ein neumodisches Kaffeehaus, das allerdings niederbayerischen Ursprungs ist. Daran erinnert aber nichts. Ich bestelle ein Kirsch-Schorle aus Protest. Leider wirkt die Coolness des neues Styles steril. Wehret den Anfängen liebe Regensburger! Vergleicht doch mal das Lehel Münchens aus der Serie „Münchner Gschichten“ mit dem heutigen Stadtviertel. Soll das auch aus Eurer Stadt werden?

Das hat schon unser FJS genossen

Das hat schon unser FJS genossen

Bleiben wir in den 80ern. Der Dampfnudel-Uli scheint, schaut man sich die Fotografien an den Wänden an, in diesem Jahrzehnt stehen geblieben zu sein. George Bush senior war hier zu Gast, Theo Waigel, und natürlich der letzte bayerische Sonnenkönig, Franz Josef Strauß I. Den bei der Jagd mit dem hiesigen Fürsten von Thurn und Taxis ein tödlicher Herzinfarkt ereilte. Weil man aber das Uni-Klinikum in Regensburg nicht für würdig erachtete, eine Herz-OP durchzuführen, flog man ihn in die Landeshauptstadt. Dort machte ihn der Tod unsterblich. Unsterblich ist er auch im Dampfnudel-Uli. Hier grüßen sie alle unter einem gotischen Gewölbe (was die Regensburger allerweil mit ihren gotischen Gewölben haben) und bayerischer Fahne fröhlich lachend auf die Gäste herab. Franzosen, Chinesen, Preissn essen hier alle zwei Dampfnudeln mit Vanillesauce. Was anderes gibt’s auch, aber nur die Mädels rechts neben uns speisen differenziert. Sie haben eine Nachspeise bestellt: Eine Dampfnudel mit Vanillesauce. Und die teilen sie sich auch noch. Sehr lockerer Teig, die Sauce nicht zu beanstanden, und passend zum König gibt’s das königliche Kondrauer Mineralwasser. Perfekt.

2. Dessert: Würscht

Revolution oder Evolution, schmecken tuts auf jeden Fall

Revolution oder Evolution, schmecken tuts auf jeden Fall

Wir wandern weiter und kommen am Dom vorbei. Der ist bekanntlich herrlich anzusehen, nur drinnen eisigkalt. Rechts neben dem Altar ist das Petrus-Fenster, uralt. Sicherlich die majestätischste und imperialste Kirche Bayerns. Ein paar Schritte weiter finden wir den Würstl-Toni. Der macht schon um fünf Uhr morgens auf und versorgt Nachtschwärmer und frühe Vögel mit, na was? Genau, Würsten. Der Toni (besser gesagt die zwei Madames, die hinterm Verkaufstisch stehen) brät alles. Sogar DIE bayerische Wurst schlechthin. Gerhard Polts Dystopie des Dr. Brezners, der es fertig bringt, eine Weißwurst zu grillen, wird hier Wirklichkeit. Jawoll, ihr habts richtig gelesen, hier bekommt man eine gegrillte Weißwurst. Mit Haut, Senf und Sauergurkeln in die Semmel und auf die Hand. Schmeckt eigentlich fast noch besser als die typische Variante. Allerdings ist der Magen nun überfüllt. Flach atmen. Langsam essen. Keine hektischen Bewegungen machen. Der Geist verabschiedet sich wegen der Blutballung im Magen ins Nirwana. Mit kaltem Schweiß auf der Stirn ist endlich der letzte Bissen einverleibt. Noch etwas schwach auf den Beinen machen wir uns auf in die Kirchen nebenan.

Das ist mal eine Innenaustattung

Diese Innenausstattung gibt’s nicht bei Ikea, sondern nur beim römisch-katholischen Vertragshändler!

So schön wie der Dom außen ist, die Alte Kapelle ist innen noch schöner. Rokoko dass einem die Augen übergehen, verspieltes Abbild himmlischer Herrlichkeit. Das Papstwappen erinnert daran, dass Benedikt höchstpersönlich die Orgel eingeweiht hat. Doch gehört die Alte Kapelle überhaupt zu Regensburg? Kaiser Heinrich II. hat sie vor fast 1000 Jahren seinem neu gegründeten Bistum Bamberg geschenkt. Stehen wir hier in exterritorialem fränkischem Gebiet? Außen ist das Gotteshaus noch romanische Trutzburg. Der Turm steht etwas abseits der Kirche, er diente wohl früher als Schutzraum.

Das ist mal ein Papstwappen mit so einem putzigen Korbinians-Bärli

Das ist mal ein Papstwappen mit so einem putzigen Korbinians-Bärli

Kurz rein in einen Porzellanladen, der vom früheren Glanz des weißen Goldes der nördlichen Oberpfalz und des östlichen Oberfrankens zeugt. So, und etz nach all der Kultur ab in die Teehandlung Bachfischer, Tee trinken und kaufen. Das Café (kann man das so sagen?) im ersten Stock ist leider geschlossen, aus Personalmangel. Dafür fläzen wir uns an den Verkaufstresen und probieren den Tee im Ausschank. Meiner schmeckt recht mau. Dafür ist der Rosentee Weltklasse.

Und dann heißt es auch schon Abschied nehmen von der Hauptstadt der Oberpfalz. Nicht dass uns noch was einfällt, wo wir essen könnten. Geplatzte Touris in Regensburg, das wäre wohl eine Anekdote, die diese Stadt bisher nicht zu erzählen hatte. Mahlzeit.

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