D’Eisenbahn in Vohenstrauß

Wir reisen von Norden an, eine durchaus abenteuerliche Anfahrt über schmale Bundes- und Staatsstraßen durch eisigen Regen. Hoffentlich rentiert es sich. Endlich in Vohenstrauss angekommen, finden wir direkt vor der Haustür einen Parkplatz. Historie hat das Gebäude der Zoiglstube d’Eisenbahn jedenfalls.

Der erste Eindruck der Atmosphäre ist jedoch eher künstlich, der Saal lässt an ein auf bayerisch gemachtes Sportlerheim oder eine etwas minimalistische Gaststätte denken. Er ist eben doch recht hell und weiläufig. Später kommt durchaus Gemütlichkeit auf, das liegt aber dann eher am Wirt und den Gästen.

In der letzten Ecke finden wir noch einen freien Tisch, der Zoigl ist sehr gut besucht. Es zieht am Fenster. Aber dafür spielt weiter vorne eine gute Zoiglmusik.

Der Zoigl für 1,70 Euro selbst schmeckt recht frisch und süffig mild. Der Wirt erklärt uns, dass er nach eigenem Rezept in Reuth gebraut wird. Denn er kennt den dortigen Braumeister noch vom Studium her. Donnerwetter, also das ist der bisher beste Zoigl, der aus Reuth kommt. Außerdem probieren wir den Trittbrettfahrer, ein guter, leichter Kräuterlikör. Der Kollege trinkt den Schwarzfahrer, ein arg wüster Ingerschnaps, dessen Schärfe nicht unterschätzt werden sollte. Beide kosten ebenfalls 1,70 Euro.

Ein äußerst solider Brotzeitteller.

Ein äußerst solider Brotzeitteller.

Wenden wir uns dem Brotzeitteller für 4,90 Euro zu. Der Leberkäse ist top, der Käse gut, die Cabanossi ebenso, das Griebenschmalz etwas salzig. Die Braunschweiger schmeckt frisch und gut, etwas mild-metallisch. Die Speckwurst ist leicht fettig, aber ganz ordentlich. Die Leberwurst ist leicht kräuterig, der Obazde feinherb. Das Geräucherte ist recht salzig, aber gut, das Gurkerl OK. Die Salatgurke ist schön frisch, die Paprika der Wahnsinn, die Tomate dagegen naja. Das Brot passt schon. Die Butter ist mild säuerlich, vielleicht sogar selbst gemacht? Insgesamt muss ich allerdings sagen, dass sich meine Kritik hier schon auf hohem Niveau bewegt. Kein Ausreißer nach unten, solides Mittelfeld bis Oberklasse.

Der Saure Käse ist fettig und könnte etwas säuerlicher sein, gut ist die Unterstützung durch die Frühlingszwiebeln.

Der sauere Käs' könnte etwas säuerlicher sein.

Der sauere Käs‘ könnte etwas säuerlicher sein.

Am Nachbartisch sitzt eine Gruppe Eingeborener. Die treiben ihre Späße mit der Bedienung und als sie erfahren, dass wir von weiter weg sind, empfehlen sie dem Kollegen den Schwarzfahrer. Ein Amüsement für alle – außer dem Trinker. Sie empfehlen uns noch in das Wirtshaus der Behringer Weißbierbrauerei zu gehen. Das sei sehr urig und das Weizen extrem gut. Allerdings sitze man dann am nächsten Tag ordentlich auf der Toilette. Sie drücken es etwas anders aus, aber das kann ich hier nicht so schreiben. Sie meinen, das liege an den „schweren Bakterien“ im Getränk, ich würde wohl eher auf die Hefesorten tippen.

Das schaffen wir aber zeitlich nicht mehr. Der Wirt höchstpersönlich kommt an unseren Tisch. Er war früher einmal Sozialpädagoge und Bewährungshelfer. Das Gebäude war früher einmal ein Weißbierbrauhaus und wurde vor 309 Jahren erstmals urkundlich erwähnt. Den Stadtbrand von 1839 hat es unbeschadet überstanden, im Keller soll es noch ein Kreuzgewölbe geben. An Josefi, also dem Gedenktag des Heiligen Josef, feiern sie sogar einen extra Zoigl. Da wird dann mit einer von Hunden gezogenen Kutsche das Zoiglfass von der Kirche zur Stube gebracht, eine weitere Kutsche befördert die Kinder. So schafft man in Vohenstrauß Tradition neu und stärkt die Gemeinschaft im Ort.

Fazit: Im Bereich Urigkeit punkten der Wirt und die Gäste deutlich mehr als die Raumgestaltung. Während beim Schwarzfahrer Vorsicht geboten ist, trinkt man vom Zoigl gerne ein paar Gläser. Die Hausmacherplatte kann sich sehen und schmecken lassen.

 

Test vom 13.2.2016

Nachtrag: Leider wird dieser Zoigl bald schließen müssen: http://www.onetz.de/vohenstrauss/vermischtes/beliebte-zoiglwirtschaft-schliesst-im-maerz-2017-endstation-fuer-deisenbahn-d1707061.html