Der Binnerlindl in Kohlberg

Die Sirenengesänge des Akkordeonsspielers locken unbedarfte Menschen an die gefährlich gemütlichen Zoiglklippen

Die Sirenengesänge des Akkordeonsspielers locken unbedarfte Menschen an die gefährlich gemütlichen Zoiglklippen

Obwohl der Binnerlindl mitten in Kohlberg liegt, müssen wir doch etwas suchen, bis wir ihn gefunden haben, da Raiffeisenstraße und Marktplatz sehr nah beieinander liegen und parallel verlaufen.

Endlich hören wir im prasselnden Regen eine Quetschn spielen, also ein Akkordeon und Leute gar lustig mitsingen. Da müssen wir richtig sein! Rein in den Vorraum, wo am Tisch schon ein hübsches Mädchen sitzt. Als Traditions-Gourmets zieht es uns jedoch weiter in den Raum mit der Stub’n-Musi.

Der Raum in L-Form fasst fünf Tische unter einer wunderbaren Holzdecke. An den Wänden hängen alte fromme Bilder, im Herrgottswinkel haben sie die Krippe aufgestellt. Ansonsten zieren noch Tafeln mit Sütterlinschrift die Stube. Der Akkordeonspieler sitzt zwischen zwei Tischen und wechselt zwischen Liedern zum Mitsingen, Begleitmusik und dem Prosit der Gemütlichkeit ab. Ahhhh, diese Gemüüüüütlichkeit! Ein paar Leute klopfen im Takt auf den Tischen mit. In der Musikstube finden sich durch die Bank ältere Herrschaften. Wir hocken uns an einen Tisch mit Exil-Kohlbergern, von denen einige derzeit in München leben. Sie beklagen eine halbe Stunde lang die dortigen Bierpreise und sind immer wieder aufs Neue begeistert vom hiesigen Zoigl-Preis.

So kommt die Wursti ins Bauchi

So kommt die Wursti ins Bauchi

Der Zoigl kostet nämlich 1,80, der Pfiff allerdings schon 1,20 Euro. Geschmacklich sehr mild, etwas gerstig, ein ausgezeichneter Zoigl! Wir vermuten ihn schon von der Wolframstuben kommend. Doch, tatatataaa, babababaaaaaa (soll Beethovens 5. sein), was erfahren wir am Schluss? Der Zoigl kommt nicht aus der Gegend. Nein, nicht mal aus der Oberpfalz. Sondern babababaaaaa, aus (ganz tiefe Stimme) Franken. Nochmal die Augen reiben, ja richtig gelesen, (wieder tiefe Stimme) Franken. Und zwar nicht aus Marktredwitz, wo ja auch Zoigl ausgeschenkt wird, sondern aus Aisch. Warum? Der Wirt erklärt: „Da gibt’s eine ganze kleine Brauerei.“ Ahja, ok, meinetwegen, das ist ein Grund. Aber diese ganz kleine Brauerei braut nach dem ureigenen Rezept der Kohlberger. Und vor dem muss man echt den Hut ziehen.

Weil wir aber keinen Hut aufhaben, wenden wir uns dem Essen zu. Der Brotzeitteller kostet 4 Euro. Ansonsten gäb’s noch verschiedene Würstln und Schnitzl. Wir aber bleiben der besseren Vergleichbarkeit wegen wie immer bei der Brotzeit. Der Leberkäs ist mittelgrob und ist äußerst delikat. Das kann man von der Speckwurst nicht behaupten, die schmeckt alt. Etwas modrig riecht der weiße Presssack, mein Begleiter findet ihn ganz gut, ich dagegen finde fünf größere Knochenteile drin. Da ginge mit der Hut hoch, aber ich hab ja noch immer keinen auf. Die Sauergurke ist passabel, das Tomatenstück naja, das Greicherts sehr gut. Die Leberwurst soll wohl grob sein, schmeckt aber eher wie die Mischung aus einer feinen und einer Teewurst. Kein besonders herausstechender Charakter aber ordentlich. Was die braven Leute sich hätten sparen können sind die diversen Wurstscheiben, die noch mit dazu kommen. Wir finden zwei gute Scheiben Göttinger, und eine so lala Paprikawurst, einen ebensolchen Bierschinken und eine normale Wurst ohne Intarsien. Mei, schlecht ist das nicht, aber ich würd beim Zoigl halt gern was essen, was ich daheim nicht kriege. Es sei denn, es wäre der beste Bierschinken und die beste Paprikawurst der Welt. Aber das sind sie nicht. Außerdem muss ich für die dünnen Wurstscheiben jedes Mal ein Brot mit essen. Und das kann durchaus stopfen. Das Brot schmeckt normal. Zum Schluss möchte ich aber doch noch den Käse loben, sehr cremig und kaum säuerlich, so einen guten findet man selten auf einem Brotzeitteller.

Gewölbe, huiui, mit Granitsäule, huiuiui, und schönen Damen, huiuiuiui

Gewölbe, huiui, mit Granitsäule, huiuiui, und schönen Damen, huiuiuiui

Nach dem Bezahlen erkunden wir weiter das Haus. Weiter hinten gibt es noch einen Raum mit einem Gewölbe und einer Granitsäule in der Mitte, ganz toll. Und hier sitzen einige schöne Frauen. Ein Stockwerk höher sind wieder zwei Zimmer, eines davon mit einer recht niedrigen Decke. Sehr heimelig und auch hier anmutige Damen. Aber wir haben ja schon gezahlt und sind am gehen…

Dieser Akkordeonspieler und diese musikalische Gemütlichkeit allerweil, bringen uns um alle hübschen Mädels!

Fazit: Äußerst gemütlich, fantastische Atmosphäre, enorm guter Zoigl. Am Brotzeitteller musst du aber noch etwas üben, dann bekommst du das Bavaritas-Fleißbildchen.

 

Test vom 04.01.2014

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