Der Gutbauer in Schönficht

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Ein liebevoll gestaltetes Hinweisschild.

Die weißen Flecken auf der Zoigl-Landkarte werden immer weniger, nun hat auch Schönficht eine Zoiglstube, den Gutbauern.

Schönficht ist ein gar nicht mal so großes Dorf, direkt an der B15. Wir fahren hinein und kurz nach dem Dorfteich weist uns ein ganz offensichtlich selbstgemaltes Schild den Weg. Auto abgestellt und schon sehen wir noch ein Schild auf oberpfälzisch, jawohl, derzeit ist Zoiglausschank.

Das offizielle Schild auf oberpfälzisch.

Das offizielle Schild auf oberpfälzisch.

Wir sitzen im Innenhof eines Bauernhofes auf Bierbänken, das Anwesen ist durchaus schön, lauter alte Scheunen und Schupfen. Leider ist das Wohnhaus mit diesen 60er Jahre Plastik-Lamellen verkleidet, das sollte unbedingt bei der nächsten Renovierung geändert werden.

In einer Scheune gibt es eine Zoiglstube, ganz nett eingerichtet, sie wirkt noch etwas neu. Im Herrgottswinkel hängt ein romanisches Auferstehungskreuz, das an eine Ikone erinnert.

Der Zoigl ist äußerst süffig und mundet vorzüglich, muss ja, denn er ist vom Posterer aus Windischeschenbach.

Solide.

Solide.

Der Apfel-Quitten-Schnaps stammt aus eigenen Früchten und wird bei einem regionalen Brenner hergestellt, der hat mir allerdings nicht so zugesagt. Deutlich besser war der Zirbenlikör. Der ist zwar eingekauft, aber einer der besten Zirben die ich in meinem Leben getrunken habe. Der Wirt ist so angetan von diesem Wunderbaum, dass er selbst welche bei sich gepflanzt hat, in einigen Jahren kann man sie dann sogar als Weihnachtsbaum von ihm kaufen. Nach Weihnachten zerhäckselt man den Baum und legt das unters Bett. Die beruhigende Wirkung der Zirbe auf Schlafende ist belegt. Der Wirt informiert uns noch, dass man etwa Babys, die schlecht schlafen, durch Betten aus Zirbenholz behandeln kann.

Kommen wir zum Brotzeitteller für fünf Euro. Der Bierschinken ist gut und würzig, ebenso die Göttinger, die auch recht saftig ist. Die Leberwurst hat einen leicht metallischen Geschmack. Die Sauergurke schmeckt leicht kräuterig und erinnert irgendwie an Kräutertee. Der Leberkäse ist ok, der Käse ist zuerst etwas lasch, bei weiteren Bissen sehr gut. Die Butter ist fein, die Tomate so lala, die Salatgurke gut. Der kalte Braten ist doch ein bisserl fettig und könnte etwas würziger sein.

Ein Tisch steht in einer Scheune. Hinten raus geht's ins Grüne, das könnte künftig evtl ein Biergartenplatz werden.

Ein Tisch steht in einer Scheune. Hinten raus geht’s ins Grüne, das könnte künftig eventuell ein Biergartenplatz werden.

Die Stube innen hat Potential, sollte aber noch etwas nachdunkeln.

Die Stube innen hat Potential, sollte aber noch etwas nachdunkeln.

Die Würste holen die Gutbauers von einem Metzger aus Beidl. Der soll auf Zusatzstoffe verzichten und stattdessen rein auf Gewürze setzen, was wohl den Geschmack erklärt. Der Wirt meint, dass es Leute gäbe, die nur von diesem Metzger Wurst essen könnten, weil diese besonders verträglich sei.

Die Sulz ist auch recht gut, sie enthält wenig Ziederer, der dafür aber schön säuerlich ist, das Fleisch ist viel und schmeckt frisch. Empfehlenswert.

Daneben gibt’s noch Salate der Saison, mit selbst gemachten Essigen und Kräutersalzen angemacht, garniert mit essbaren Blüten. Ebenso schön fürs Auge die verschiedenen Käsesorten zum Aufstreichen, die wir aber leider nicht probiert haben.

Warme Sachen gibt's auch. Der Schilderstil passt allerdings nicht ganz so zum schönen Schupfen.

Warme Sachen gibt’s auch. Der Schilderstil passt allerdings nicht ganz zum schönen Schupfen.

Also fürs Auge und für den Gaumen: mjammi mjammi. Was verbessert werden sollte ist die Bediengeschwindigkeit, da haben wir schon recht lange aufs Essen warten müssen.

Sehr gut ist die Beratung, was die Kräutersalze und die übrigen Essige, Sirups usw. angeht, die man hier käuflich erwerben kann. Die Wirtin stammt aus der Ukraine und kennt sich aus, welches Kraut gegen welche Beschwerden hilft.

Fazit: Der Gutbauer ist unbedingt empfehlenswert für alle, die sich auch mal mit Gewächsen der Heimat auf dem Teller auseinandersetzen wollen, die nicht aus Fleisch bestehen. Wer beim Fleisch bleibt, macht allerdings auch nix falsch. Der Zoigl vom Posterer ist top. Zeit sollte man allerdings schon mitbringen. Aber mei, wenn einen der Hunger nicht allzu sehr plagt, dann kann man das als Lektion in Gemütlichkeit sehen.

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Gemüsig-frisch kommt die Suppe daher. Das Pesto sorgt für Würze.

Aktualisierung: Ein neuerlicher Test (16.6.2017) zeigt, dass die Bediengeschwindigkeit deutlich zugenommen hat. Der Brotzeitteller hat sich etwas in der Zusammensetzung verändert, ist aber weiterhin gut. Die Kräuterbutter-Breze ist recht groß, die Kräuter schmecken sehr frisch. Ein nettes Detail ist die Blüte auf der Butterkugel. Die Frühlingskräuter-Suppe mit Pesto ist nicht zu stark gewürzt, schmeckt aber ordentlich. Ja, es ist durchaus ungewöhnlich in einer Zoiglstube Gemüse, noch dazu in Suppenform zu sich zu nehmen. Aber wer schon einen vollen Magen hat, für den ist dies ein wohlschmeckendes und bekömmliches Nahrungsmittel. Der Quittenlikör ist süßlich-mild, der Zirbenschnaps ist süß-rass. Das Hollunderblütenwasser ist selbst angesetzt und schmeckt leicht würzig, schwer. Wie ein Hollerküchel halt. Erfrischender ist da die selbst gemachte Limo, in der schöne Blütenblätter schwimmen. Der Kräuter-Blüten-Tee ist auch selbst gemacht und hebt sich deutlich von der beuteligen Verwandtschaft ab.

Der neue Besuch zeigt deutlich, wie innovativ die hiesige Zoigl-Landschaft mittlerweile ist. Mit altem Kräuterwissen und Liebe zum Detail ist man auf jeden Fall zukunftsfähig!

Test vom 5.6.2016