Der Schreiner Schorsch Zoigl in Pfaffenreuth

Dass Wirtshäuser oder Ställe in Zoiglstuben umgewandelt werden, haben wir schon öfters behandelt. Eher selten kommt es vor, dass eine Werkstatt zu einem Zoigl mutiert. Interessant, wenn es sich bei der Werkstatt um eine Schreinerei handelte. Flachwitze à la „Endlich ein Zoigl mit ordentlich Holz vor der Hütt’n“ spar ich mir, obwohl sie sich doch schon sehr anbieten.

Einladender Eingang, schöner Holzzaun.

Zunächst vorweggeschickt: Der Schreiner Schorsch befindet sich nicht im Pfaffenreuth bei Waldsassen, sondern im Pfaffenreuth zwischen Parkstein und Pressath. Nicht verwechseln! In der Hofeinfahrt finden wir einen Parkplatz, im Sommer kann man hier wohl draußen sitzen. Dann treten wir durch einen Vorraum ein. Im Vorraum sind auch zwei Tische, es ist aber da schon gscheid frisch. Obwohl Montag ist, sind die meisten Tische schon belegt, anscheinend ist der Schorsch recht beliebt. Der Chef war früher selbstständiger Schreiner und arbeitet nun für eine Firma, seine Schreinerei hat er daraufhin in eine Zoiglstuben umgebaut. Wir finden freilich sehr viel Holz, unter die Decke wurde ein Dach mit Schindeln eingebaut. Alles sieht aus wie ein sehr uriger Stadel, allerdings ein recht geräumiger. Tatsächlich ist stammt das Holz beispielsweise aus alten Scheunen, Recycling für die Gemütlichkeit! An der Wand hängen alte Leder- oder Arbeitshosen, selbst das Klo ist schön gestaltet.

Juhuuuu!

Kein Shop-im-Shop, sondern ein Stadl-in-der-Werkstatt-Konzept. Nur eben ohne Werkstatt.

Am Tisch setzt sich ein Musikant aus Auerbach dazu. Der sollte eigentlich spielen, aber da seine Kameraden nicht auftauchen, erzählt er uns von der Strahlenbelastung bei Wildschweinen. Der Wirt selbst sitzt am Nachbartisch, ein Schrank von Mann. Man glaubt sofort, dass er den meisten Teil des Innenausbaus selbst gemacht hat, etwa die Bänke.

Der Zoigl wird immer süffiger, je mehr man davon trinkt. Er ist süßlich und für 1,90 Euro zu haben, den Pfiff gibt’s für 1,20 Euro. Das Spezi ist sehr gut.

Der Wirt, der Freude an seiner Arbeit hat, scherzt auch im Detail.

Das Brotzeitbredl heißt nach dem Chef, Schreiner Schorsch, und kostet 4,80 Euro. Der rote Presssack ist ausgezeichnet, recht würzig, leicht säuerlich. Der weiße ist gut, fällt aber etwas hinter den roten ab. Der Leberkäse ist dünn geschnitten und ganz OK. Der Bierschinken ist leicht würzig und gut. Die Speckwurst ist fast wie Mett, gut und fettig. Drei verschiedene Käse gibt’s, einmal einen normalen, buttrigen, der leicht ist, sich aber etwas gummiartig kaut. Gleiches gilt für den mit Chili, der ist aber nicht scharf. Der dritte im Bunde enthält irgendein Kraut und ist würzig. Die Butter ist mild. Die Polnische ist salzig, das Greicherts außen hart und innen sehr weich und zart. Die Leberwurst ist fettig und leicht würzig. Die Tomate bringt Frische rein, das Gurkerl basst schon. Ei und Brot sind OK.

Als Nachspeise gönnen wir uns ein Küchl für 1,20 Euro. Das ist typisch oberpfälzisch länger ausgebacken als seine Brüder in Franken, daher nicht so saftig wie dort.

Die Rückfahrt in den Nachbarlandkreis treten wir leider schon im Dunkeln an, doch selbst hier merkt man, dass man über Punkte mit grandioser Aussicht fährt (die Lichter der Orte in der Ferne). Im Sommer sollte man da nochmal herfahren und das Panorama bei Tageslicht genießen. Ganz Auspichte können ja mit dem Radl kommen.

Fazit: Auch wenn die Stube nicht alt, sondern auf alt gemacht ist, finden wir viel Liebe zum Detail. Der Zoigl schmeckt, und der Brotzeitteller ist solide, besonderes Lob für den roten Presssack!

Mehr Zoigltests gibt’s hier…

Test vom 8.1.2018
Advertisements