Erbendorf

Meistens kennt man die Zoiglstuben ja vom Winter her, draußen hats minus 20 Grad, also ein lauer Oberpfälzer Winterabend, man kämpft sich durchs Eis vors Haus und wird drinnen von wohlig warmem Bier- und Wurstdunst empfangen.

Die oberpfälzische Trias aus Zoigl, Wuascht und Broud. Mei, wos is des goud!

Die oberpfälzische Trias aus Zoigl, Wuascht und Broud. Mei, wos is des goud!

Zoiglstuben sind jedoch auch im Sommer zu empfehlen, v.a. dann wenn man im Oberpfälzer Sommer bei minus 15 Grad mit der kurzen Hose draußen sitzen kann. Spaß beiseite, auch hier klettert das Thermometer öfters über die 30 (plus), und dann ist man froh um schattenspendende Bäume und kühlenden Zoigl.

Der Meislbeck-Zoigl hat auch einen Biergarten, nicht so schön wie der vom Gloser, aber doch ganz nett, mit ein paar heranwachsenden Birnbäumen. Drinnen siehts wie in den allermeisten Zoiglstuben durchaus angenehm aus. Die Gäste rangieren zwischen Reservisten-Kameradschaft, jungen Leuten und Alt-Hippies.

Draußen kommt zunächst keine Bedienung, wir gehen rein und bestellen einen Zoigl und eine Hausmacherplatte, auch Brotzeitteller genannt. Die kommt dann in Windeseile. „Die haben wir gerade da gehabt, aber auch sonst dauerts bei uns nicht lang.“

Der Zoigl (1,70) ist gut, und kommt von der Wolframsstuben aus Windischeschenbach. Weiterhin gibt’s ein großes und bisweilen witziges Schnapsangebot, das wurde aber nicht probiert.

Der Brotzeitteller ist überreichlich. Der weiße Presssack ist fein säuerlich, mit viel Ziederer ist er wenig belastend. Ein ganz großes Lob muss ich dem roten Presssack aussprechen, er geht fast in Richtung Lebkuchengewürz, ich spar ihn mir bis zum Schluss auf. Man muss sich bei solchen Hausmacherplatten immer das Beste bis zum Schluss aufsparen, damit man auch alles brav aufisst. Nicht ganz so würzig, sondern eher schmelzend ist die Speckwurst.

Die Türsteher in Zoiglstuben sind recht gemütlich drauf und meist noch grün hinter den Ohren

Die Türsteher in Zoiglstuben sind recht gemütlich drauf und meist noch grün hinter den Ohren

Der Obazde ist nicht schlecht, schmeckt aber bald ziemlich salzig. Für meinen Geschmack zu salzig. Dafür ist das Brot wieder einsame Spitze, es ist kein typisches Holzofenbrot mit den feinen Röstaromen, sondern bestärkt v.a. durch seine Saftigkeit. Es stammt wohl aus eigener Herstellung. Am Schluss, obwohl schon absolut platt, ess ich noch eine Scheibe so.

Das Geräucherte passt schon, allerdings schmeckt es etwas alt. Der Leberkäse ist so lala. Die Polnische und die Pfefferbeißer sind lobenswert. Die Göttinger ist gut. Daneben gibt es noch Wurstscheiben, die anscheinend Chili oder Paprika enthalten, aber wie eine Mischung aus Winzerwurst und Polnische aussehen. Ebenfalls recht gut. Nett angerichtet ist der Teller mit Radieserl-, Gurkerl-, Zwiebel- und Paprikascheiben. So a wengerl Grünzeugs hilft, einen Brotzeitteller zu zwingen, weil sie den Mundraum erfrischen. Eine ungewöhnliche Idee ist die Pfefferoni, die schmeckt jedoch vorherrschend nach der Einlegewürze.

Jetzt hätt ich fast die Teewurst vergessen, die ist sehr cremig, wenig würzig, hat aber auf jeden Fall voll rein. Ich hab das Stückel gleich am Anfang gegessen und war danach eigentlich schon satt.

Fazit: Zwar wird in Erbendorf nicht selbst gebraut, aber man hat zu einem guten „Franchise“-Zoigl gegriffen. Das Brot ist 1a, der Brotzeitteller sogar für eine Zoiglstube überreichlich belegt. Die einzelnen Speisen darauf schmecken unterschiedlich gut, manche sind unter-, manche überdurchschnittlich.

 

Test vom 15.07.2013

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