Neuhaus

Neuhaus liegt oben am Berg, Windischeschenbach drunten im Tal. Die Zoigl schmecken hier herber, die Brotzeitplatten sind kleiner. Trotzdem kann die Urigkeit eskalieren. Besonderer Tipp: Der Tag des Neuhauser Zoigls, am 3.Oktober. Hier sind alle Zoiglstuben geöffnet. Motto: „Ganz Deutschland feiert Einheit, Neuhaus feiert Zoigl.“ Man muss schließlich Prioritäten setzen.

Schoilmichl

Der Schoilmichl, das ist so eine Zoiglstube, wo man sich denkt: Mei, dass’s so was noch gibt. Wobei man eigentlich nicht von Stube sprechen sollte, eher von Gewölbekeller. Der Schoilmichl steht gleich an Beginn des Neuhauser Marktplatzes, an dem sich eigentlich alles anderen Zoiglstuben befinden. Zuerst geht’s eine Treppe runter, rechts die Küche, bei der man sich Geräuchertes kaufen kann. Linkerhand eröffnet sich ein Gewölbe, dessen mächtige Säulen ihresgleichen suchen.

Die Stimmung knallt, denn der Schoilmichl ist immer sehr gut besucht. Zusammen mit dem Gewölbe ergibt sich eine enorme Lautstärke an Bayerntum. Der Wirt ist das, was man gemeinhin als „Original“ bezeichnet. Ein älterer Mann mit lustigen kleinen Äuglein und Lachfalten. Das Gesicht von vielen harten Oberpfälzern Wintern angefurcht (oder von vielen Abenden im Zoigl?). Er strahlt aber eine Lebens- und Zoigllust aus, an der man sich ein Beispiel nehmen sollte!

Die Atmosphäre verführt manchen sogar zur Sünde. So saß einmal ein Weidner türkischer Abstammung mit am Tisch. Er aß Würste und trank Zoigl. Gefragt, ob er das als Muslim denn dürfe, meinte er in breitestem Oberpfälzisch: „Drum sitze ja im Kölla, dann sigts da Allah niat.“ (Darum sitz ich ja im Keller, dann siehts der Allah nicht). Wer sich von so einer Aussage angegriffen fühlt, der darf sich ein Loch graben oder sich in nach voriger Anmeldung in die Luft sprengen, Geschäftszeiten Di – Mi: 10 – 12 Uhr, Do: 16 – 17 Uhr. Oder er kommt in den Schoilmichl und trinkt einen Zoigl mit.

Die Bedienungen sind sehr nett, leider dauert es doch recht lange, bis das Essen den Weg zum Tisch gefunden hat.

Der Zoigl schmeckt anfangs süffig, später bekommt er aber einen teilweise arg bitteren Nachgeschmack.

Das Zoiglweizen ist mild und süffig.

Eine Besonderheit ist der Schwanzlstürzer. Eierlikör mit Sauerkirschlikör. Für unser Empfinden hätte es etwas weniger Ei und etwas mehr Kirsch sein können.

Die Hausmacherplatte beeinhaltet gute Göttinger und Leberwurst, dazu gesellt sich ein ebensolches Sauergurkerl. Die Mettwurst ist sogar sehr gut. Das Geräucherte dagegen ist zu salzig, der Pressack enthält zu viel Sülze und einigen Knorpel und schmeckte alt. Genauso wie der Leberkäse. Die Speckwurst schmeckte nach nix. Was bei einer Speckwurst nicht unbedingt von Nachteil sein muss.

Das Surfleisch war zart, würzig und äußerst angenehm. Das beiliegende Sauerkraut war leider zu wenig gewürzt und lasch.

Fazit: Der Schoilmichel ist für jeden, der einen lustigen Abend verbringen will, unbedingt zu empfehlen. Urigkeitssucher sind hier richtig. Sie müssen aber etwas Zeit im Magen mitbringen.

Lingl

 Der Lingl hat zwar ein sehr schönes Logo und einen netten Wahlspruch:

„A halbe Zoigl des is gwieß,

is für manche wia’s Paradies.

A guade Brotzeit wos wüllst mehr,

dann kummt’s doch gschwind zum Lingl her.“

Doch leider herrscht eher eine Wirthausatmosphäre, die Einrichtung richtet sich nach einem modernen Pseudobayernstil, der Gastraum ist zu hell und zu weiträumig.

Der Zoigl ist relativ spritzig und sehr herb und erinnert fast an EKU. Eine Besonderheit ist das Saure Radler, ein Zoigl mit Wasser.

Der Brotzeitteller kann was. Der Pressack schmeckt leicht zitronig und hat wenig Sülze, er ist zart und erinnert etwas an Leberkäse. Krass. Der Leberkäse höchstselbst ist fein und würzig, das Geräucherte mild und ein bisschen salzig. Die Speckwurst ist nicht so fett, hat aber eine schokoladige Note, die nicht jeder mag. Die Leberwurst ist guter Durchschnitt, der Käse dagegen ist fad und die Nase vernimmt einen leichten Geruch von Buttersäure.

Fazit: Beim Lingl würde einiges gehen, wenn nur die Einrichtung nicht gar so un-urig wäre. Vielleicht hülfe es, die Lampen etwas runterzudrehen und ein paar antike schwarzgeräucherte Tische und Stühle reinzustellen…

Käck’n

Schon der Name hat das gewisse Etwas. Eine nicht näher definierbare Grundstimmung an Urigkeit und bierdimpfligem Mysterienkult. Ob’s stimmt?

Die Einrichtung des Käck’n ist eigentlich ganz normal, aber es kommt gehörig Stimmung auf, weil es oft voll ist. Und dann kann richtig knallen. Angeblich ist er der Geheimtipp unter den Neuhausern Zoiglstuben, was vielleicht daran liegt, dass ab 11:30 Uhr Stimmungsmusik gespielt wird. Zum Beispiel mit der Quetschn (Akkordeon).

 Der Zoigl ist herb bis bitter und hat einen ebenfalls ziemlich herben Nachgeschmack.

 Das Geräucherte tendiert in Richtung Pökelfleisch, es ist salzig, aber saftig und fleischrot.

Die Hausmacherplatte ist übersichtlich, man kann tatsächlich unter den sinnlichen Genüssen den Teller erkennen. Die Leberwurst ist durchschnittlich, der Leberkäse mittelgrob und gut. Die Mettwurst ist fein und leicht gewürzt, die Leberwurst nichts Besonderes. Die Speckwurst war cremig und hatte leider diesen schokoladigen Geschmack. Beim Pressack divergierten die Urteile beim Testessen: Er rangiert zwischen „Passt schon“ bis überhaupt nicht zu empfehlen, gerade der Nachgeschmack war – zensiert – . Die Sauergurke dagegen ist sehr gut.

Wer zum Lachscremebrot greift, der macht garantiert nichts falsch, dieses war hervorragend.

Das Kesselfleisch schmeckte fettig aber im Großen und Ganzen ok.

Fazit: Zur Hausmacherplatte muss man hier nicht greifen, vielleicht kommt man einfach ein wenig später und nimmt dafür die gute Stimmung mit.

Teicher

Die Atmosphäre beim Teicher ist ein bisschen familiär, die freundliche Bedienung braucht aber etwas lange.

Der Zoigl ist sehr hefig und dazu herb, als hätte man hier einen Weizen-Pils-Hybriden erschaffen. Die heutige Biotechnologie überschreitet Grenzen, die der Mensch nicht kontrollieren kann.

Das Geräucherte stammt aus der Eigenproduktion, hier gibt’s zwei Arten. Das normale Geräucherte ist Durchschnitt, aaaaaber: Unbedingt das Kammstück bestellen! Es ist ausgezeichnet geräuchert und nicht zu salzig. Im Eifer übererfüllter fleischlicher Leidenschaft haben wir in unser Notizbuch notiert: „Super! Am Besten!“ Da kann was dran sein.

Die Hausmacherplatte ist gut, aber nicht sehr gut. Leberwurst, Teewurst (nicht zu fettig), Pressack (nicht zu flachsig), Leberkäse: gut. Die Speckwurst war recht groß und hatte die Konsistenz eines Eiskonfekts, d.h.: sie schmolz im Mund. So etwas, genauso wie der schokoladige Geschmack andernorts, passt nicht zu einem Lebensmittel, das v.a. aus Blut und Fett besteht!

Fazit: Geräuchertes vom Kamm bestellen und sich noch eines mit nach Hause nehmen. Den Ethikrat des Bundestages über den Weizen-Pils-Hybriden informieren.

Bahler

Die Raumgestaltung beim Bahler ist eher mediterran und zu hell. Allerdings gibt es schöne Balken für den Bau-Interessierten und Frauen für alle anderen Interessierten. Für den Rest gibt es Schnupftabak-Gratisproben, einen netten Wirt und ein Herzl neben dem Klo.

Seine Werbung scheint von einiger Erfahrung geprägt zu sein:

„So ein „Zoigl-Wochenende“ kann man jedem Bierfreund empfehlen, nach dem Motto „Bier erleben, Bier verstehen, Bier trinken“. Ganz harte Naturen ergänzen das Motto um „Grenzen überschreiten“.“

Und tatsächlich erlebt man hier manches skurrile Geschmackserlebnis.

Der Zoigl duftet nach Leberkäse (!), ist weich im Mundgefühl, aber herb und hopfig im Nachgeschmack.

Das Hopfengold, ein Likör, brennt (die Meinungen, „ob’s brennt wie d’Sau“ divergieren), ist aber sehr aromatisch und erinnert an Goldwasser, aber fruchtiger.

Die Hausmacherplatte beinhaltet eine sehr gute, leichte und würzige Speckwurst, eine milden und ebenfalls würzigen Leberkäse, der nicht zu salzig ist. Die Leberwurst ist herausragend und mittelgrob. Der Pressack ist rot und gut, und kommt ohne Musik in Moll daher. Das Holzofenbrot ist leicht würzig. Die mittelgrobe Teewurst ist gut, aber trotzdem etwas lasch. Das Sauergurkerl ist mittelgut, aber zu wenig. Der Senf kommt herausragend aus der Packung. Der Käse ist mild und cremig, für einen Bergkäse aber zu langweilig.

Die Sulz war zu sulzig, sie fing das Rutschen an und war zu hart gewürzt (gelbe Rübe).

Die Knacker waren rund (aha), knackig (oho) und würzig gut (na klar). Das beigefügte Sauerkraut war nicht zu sauer (mit Grand Cru vertretbar [steht so im Notizbuch, Bedeutung können Internetarchäologen im Jahr 3000 klären])

Das Geräucherte besteht aus 4 extrem dicken Scheiben. Es ist weniger rauchig, aber außen sehr, innen weniger salzig. Dennoch gut.

Fazit: Für einen blümeranten Abend geeignet.

Schafferhof

Tiefgehende Poesie im Schafferhof

Der Schafferhof ist das Hauptquartier der weltbekannten Altneihauser Feierwehrkapelln. Die sollte wohl jedem Zuschauer des Bayerischen Rundfunks bekannt sein. Denn sie sind der wohl meistgefeierte und -ausgebuhte Auftritt in der Prunksitzung des Veitshöchheimer Faschings. Die Sendung mit den besten Quoten im BR.

Zoiglstube ist hier wohl untertrieben, es handelt sich um ein ganzes Zoiglanwesen. In der anliegenden Scheune werden Theater, Musik und Kabarettaufführungen dargeboten. Bereits der Eingang mit einem Steingarten ist absolut sehenswert, im Sommer wähnt man sich in der Provence oder in der Toskana. Mit dem Vorteil, in der Oberpfalz sein zu können. Der hintere Garten bietet einen wunderschönen Ausblick auf die Turmruine der Neuhauser Burg und ein Wäldchen. Innen ist massig Platz vorhanden, trotzdem wird’s oft recht voll, auch mit vielen jungen Leuten. Die Einrichtung ist durchaus alt, allerdings wird die Urigkeit wegen der weitläufigen Räume etwas eingetrübt

Der Zoigl ist schon sehr herb und hefig. Bei den Gläsern muss man aufpassen, wir bekamen mal eine ganze Ladung angesplitterter Krüge, von denen dann auch einer während des Trinkens seinen Geist auf- und den Inhalt abgab. Mittlerweile hat sich das aber gebessert, zumindest wenn man früh genug kommt.

Das Essen ist guter Durchschnitt und fiel nicht weiter nach oben oder unten auf.

Fazit: Man kommt wegen des wunderschönen Außenbereichs. Wer aber keinen herben Zoigl mag, der hat ein Problem.

 

Tests fanden vor 2012 statt, werden aber laufend nachaktualisiert

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