Neustadt (an der Waldnaab)

Brucksaler

Den Brucksaler müssen Ortsunkundige erst ein wenig suchen, aber es lohnt sich. Innen drinnen ist es ganz ordentlich urig, es kann aber auch recht voll werden. Draußen gibt es einen sehr schönen Hof. Der allerdings des Abends recht kühl wird, weil nahe am Fluss gelegen. Es empfiehlt sich also, es draußen etwas auszuhalten und sich dann drinnen ein Plätzchen zu suchen.

Eine Besonderheit sind die Bierfilzln: Sie sind viereckig, haben aber spitze und nicht wie gewöhnlich abgerundete Ecken. Ein Holzschnitt mit Brucksaler-Logo ist aufgedruckt, der äußerst expressionistisch wirkt.

Auf diesen Kabinett-des-Dr.-Caligari-Bierdeckel kredenzt die überaus lustige Bedienung einen klaren und süffigen Zoigl. Woher der kommt wissen wir leider nicht.

Ein weiteres Getränk, das sich empfiehlt, ist die Stachelbeere vom Kriechenbauern.

Über den Brotzeitteller gibt es leider keine Aufzeichnungen, die Erinnerung daran verschwimmt hinter einer Fressnarkose. Es war also ein Kampf. Nur so viel: Ich habe ihn mit Freude gekämpft.

Fazit: Warm anziehen, dann klappt’s auch mit dem Hof.

Zum Waldhauser

Der Waldhauser liegt mitten in Neistadl, schon der Eingang ums Eck ist liebevoll gestaltet. Unten im Erdgeschoss ist in den heimeligen Stuben mit den eher niedrigen Decken nix mehr frei, wir müssen in den ersten Stock. Also unter’s Dach. Das ist recht hoch und spitz, ein kleines Fensterchen im Giebel ist gekippt, um den Zoigldunst rauszulassen.

Auch hier ist’s voll, aber wir können uns noch hinten ins Eck an einen Tisch quetschen. Die Bedienungen haben zu kämpfen bis sie alle Bestellungen aufgenommen haben. Auch für den Gast ist das eine interessante Herausforderung, denn die Speisekarte ist in altdeutscher Schrift.

Mit Fremden am Tisch sitzen, in einem brechend vollen Raum, überall Unterhaltungen, man möchte meinen, so was könnte eine stressige Situation darstellen. Aber weit gefehlt. In dieser Melange aus Mensch, Essen, Zoigl und Dunst (DER Dunst) fällt der Adrenalinspiegel auf ein Minimum ab, mit einer entspannten Wachheit beobachtet der oberpfälzer reaktive Charakter das Treiben. Vielleicht sollte man den Himmel des Brandner Kaspers mal in einer Zoiglstube spielen lassen. Schließlich kam man im Waldhauser auf den Spruch: „Durscht ist schlimmer wie Heimweh.“

Jetzt haben wir endlich unseren Zoigl, der ist recht herb, aber cremig. Eine kleines nichtalkoholisches Getränk bestellt man hier so: „I kräich a Apfelschorle. An Pfief.“ Ein Pfief ist immer eine kleine Halbe, also ein Viertel. Andernorts sagt man auch Schnitt. Wo die Pfief/Schnitt-Grenze verläuft, konnten wir noch nicht erforschen.

Eine Besonderheit ist Annastörtchen. So haben wir’s uns aufgeschrieben, kann es vielleicht auch Ananastörtchen heißen? Ein Geheimnis, das erst aufgedeckt wird, wenn wir mal wieder vorbeikommen. Oder wenn ein treuer Leser sich auf die beschwerliche und gefährliche Reise nach Neustadt an der Waldnaab macht.

Im Waldhauser gibt’s außerdem Sechs auf Kraut. Ja, haha, wir haben’s kapiert, ein lustiger und interessanter Gedanke, aber das sind verschiedene Wurstsorten. Omnomnom. Kann man durchaus essen.

Eine Hausmacherplatte haben wir noch nicht getestet.

Fazit: Wer sich gern mit Fremden unterhält, der ist hier richtig.

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