Parkstein & Altenparkstein

Parkstein hat kein Kommunbrauhaus, aber trotzdem einen Zoigl. Nur ein Touri-Nepp oder trotzdem Geheimtipp?

Wagerer in Parkstein

Ja, wo isser denn?

Der Wagerer liegt in der Nähe des Marktplatzes, die Spitze des Parksteiner Basaltkegels ist gleich um die Ecke. Durch einen normalen Hauseingang tritt man in den Flur, links die Küche, rechts die Gaststube, besser Gaststübchen. Fünf Tische stehen im Raum, nur einer ist belegt mit zwei oberpfälzisch-fränkischen Pärchen. Nach einiger Zeit erscheint der Wirt und ist überrascht, ein paar Gäste mehr zu finden. Ist ja schon halb elf an einem Freitag. Hallo? Da kochts andernorts! Wir bestellen einen Zoigl. Die Karte und Ausschreibungen offerieren Würste mit Sauerkraut, Brotzeitplatte, Breze mit Obazda,… kurzum: Die typische Speisekarte. Der Zoigl schlägt mit 1,70 Euro leicht überdurchschnittlich zu Buche. Er ist aber exquisit, denn: Ta Ta Ta Ta: Er stammt vom Posterer aus Windischeschenbach, der mir persönlich am besten schmeckt. Über sieben Ecken sollen die beiden Familien auch verwandt sein.

Und, schmeckts?

Die Hausmacherplatte für 4 Euro ist sehr reichhaltig und verschieden belegt, Pressack ausgezeichnet, Winzerwurst ebenfalls, Teewurst wie Leberwurst allerdings nichts Besonderes. Leberkäse grob und fein durchaus angenehm, Göttinger ebenso, Käse und Beilagen nichts, wo man meckern könnte. Die große Schwäche der Hausmacherplatten, die Speckwurst, ist zwar fettig, fällt aber im Gegensatz zum Großteil ihrer Verwandtschaft andernorts nicht negativ auf.

Das Likör und Stamperlangebot ist im Vergleich zu den meisten Zoiglstuben nichts besonderes, es finden sich keine regionalen Angebote. Einzige Besonderheit: Der Zwetschgenlikör wird auf Wunsch mit Sahne serviert. „Für die Frauen“, wie die Bedienung informiert, gebe es diesen auch in einem „Kübel“. Hui, durchaus nobel, normalerweise saufen die Oberpfälzer Frauen ihren Alk ja aus Eimern.

Sonst noch was?

Die Stimmung zwischen Wirt und Gästen ist gut, aber nicht derb. Sogar die Franken werden freundlich aufgenommen. Besonders freut sich der Wirt, als diese Gäste nach dem Zahlen und Wegfahren nochmal wiederkommen, weil er ihnen zu viel herausgegeben hat. Sowohl der Wirt als auch einige Gäste tragen im Oktober (bei Nächten mit Raureif) nur ein T-Shirt. Jawoll, so is richtig, und wir vom Münchner Klima Verweichlichten sitzen in der Gaststube mit Jacke rum…

Nach dem Essen weist uns die Chefin noch auf den Garten (nur die T-Shirt-Harten kommen in den Garten) und die Scheune hin. Außerdem soll es noch ein Zimmer im 1. Stock geben. Der Garten, eigentlich ein Durchgang zur Scheune, ist ebenfalls eher klein, trotzdem ganz nett. Die Scheune dagegen ist unbedingt zu empfehlen. Das Erdgeschoß ist aus dem heimischen Basalt, dann folgt Holz. Die Beleuchtung ist etwas hell, aber angenehm. An den Wänden finden sich alte Bauernhofgeräte, es wirkt trotzdem nicht kitschig. Die Scheune ist denkmalgeschützt, darum kann sie nur bedingt geheizt werden und ist im Winter geschlossen. Leider wird sie in den übrigen Monaten in kalten Nächten mit zwei Heizpilzen gewärmt, was in dem geschlossenen Raum den sonst positiven Gesamteindruck schmälert. Was auffällt: In der Scheune wäre deutlich mehr los gewesen als in der Gaststube, aber: Um halb zwölf sitzen in der Scheune nur noch Männer, keine einzige Frau. Ob das wohl mit den Kübeln zu tun hat?

Fazit: Der Wagerer ist auf jeden Fall zu empfehlen (wie jede Zoiglstube). Laut und übermäßig witzig wird’s aber nicht. Hier geht man eher hin, um zufrieden-vergnügt einen Feierabend-Zoigl zu genießen.

Moierhof in Altenparkstein

Vielleicht der Zoigl, der am schwersten zu finden ist. Schon der Ort: Altenparkstein. Das liegt zwischen Oed, Oedhof, Oedmühle, Kriegshut und Döltsch. Die nächtliche Anfahrt bei Nebel ist eine Reise, bei der man sich sagt: Hinter diesem Horizont (den man sowieso nicht sieht) geht’s bestimmt nicht mehr weiter. Ein Ort, der von jeder Alien-Invasion verschont bleibt. Oder wo die Invasion schon seit Jahren vorbereitet wird und keiner kriegts mit. Ein Ort also, wo man eine gemütliche Stube so richtig zu schätzen weiß.

Altenparkstein hat nur wenige Höfe, trotzdem muss man suchen, bis man den Zoigl gefunden hat. Altenparkstein 7 ist die Adresse. Wir finden endlich den Hof und merken erst in der Einfahrt, dass hier ein unbeleuchteter Zoiglstern hängt. Auto im schönen Hof geparkt, rein ins Bauernhaus, rauf in den ersten Stock. Wir treten in eine große, gemütliche Bauernstube ein, die leider mit Energiesparlampen beleuchtet wird. Um 22.30 Uhr ist es schon recht leer, man findet also locker einen Platz. Trotzdem machen die Leute gut Stimmung.

Der Zoigl schmeckt mild und gerstig, hochbekömmlich: Ist von der Wolframsstuben. Kostenpunkt 1,80 Euro.

Den Brotzeitteller bekommt man für 3,80 Euro. Der Leberkäse schmeckt zart und mild, die Winzerwurst ist feingewürzt. Die Göttinger ist leicht scharf und hat einen blumigen und zitronigen Beigeschmack. Der weiße Presssack trägt auf dem Teller die rote Laterne. Das Fleisch schmeckt alt, der Ziederer geht so. Die Speckwurst dagegen ist wohl die beste, die ich je gegessen habe: Sie ist leicht salzig und erinnert etwas an Gewürznelken. Das Geräucherte dagegen könnte ein bisschen mehr Salz vertragen und ist recht fleischig. Der Butterkäse ist normal. Hochinteressant ist der Obazde. Denn der ist nicht gelblich, sondern weiß und hat einen wunderbar cremigen Geschmack, einfach super. Die Leberwurst ist zwar grob, schmeckt aber eher fein fleischig und weniger würzig. Die Paprika ist aromatisch und das Sauergurkerl hat einen spannenden, nicht allzu säuerlichen Gusto. Das Brot ist ausgezeichnet. Insgesamt passt der Brotzeitteller an den Anfang des Abends, da wegen des feinen Geschmacks nüchterne Sinneszellen gefordert sind.

Die Kollegen bestellen das Dreierlei an Würsten, die anscheinend recht fettig und enorm gewürzt sind, aber das ist meist so bei Zoiglwürsten.

Bei allen Gerichten wurde um halb elf noch gesagt: „Müssen wir mal schauen, ob die [Dame in der Küche, Anm. d. Red.] das noch macht.“ Sie hat aber alles gemacht und ich konnte dann um viertel zwölf noch ein Eis mit heißen Himbeeren bestellen. Das bekommt man sonst in keiner Zoiglstube. Vom Nebentisch kommt der Spruch: „Frau, mach die Küchentüre zu, ich kann dich nicht arbeiten sehn.“ Das Hochdeutsch und die Betonung der Endvokale lassen darauf schließen, dass dem Spruch ein scherzhaftes Ansinnen zu Grunde liegt.

Fazit: Nette Leute, netter Zoigl. Wer den Weg nicht scheut, kann hier einen ganz gemütlichen Abend verleben. Aber: Nicht zu spät kommen.

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