Schweinmühle

Das Pferd schaut nicht beim Essen zu, sondern begrüßt die Besucher.

Das Pferd schaut nicht beim Essen zu, sondern begrüßt die Besucher.

Neben Wirtshäusern, die Zoigl anbieten, finden sich nun immer öfter Bauernhöfe (hier und hier), die ebenfalls den Oberpfälzer Gerstensaft ausschenken. Die Schweinmühle ist beides, dazu kommen noch ein Campingplatz und Ferienwohnungen, die die Familie Senft für die Besucher bereit stellt. Wer also dem Zoigl allzuviel zugesprochen hat, der kann gleich hierbleiben.

Doch zunächst gilt es, die Schweinmühle zu finden. Wir kommen von Norden und müssen daher ewig lang durch die Pampa fahren. Etwa durch den Ort Bernstein, wo die Straßen Bernstein A und Bernstein B heißen. In welchem Teil nur ist das berühmte Zimmer versteckt? Endlich erreichen wir den abgelegenen Bauernhof, in der Nähe düst ein Zug vorbei. Von Süden, also über Autobahn und Windischeschenbach, wäre die Anreise etwas kürzer gewesen wäre.

So eine Inneneinrichtung könnte fast aus Skandinavien stammen.

So eine Inneneinrichtung könnte fast aus Skandinavien stammen.

Wir steigen aus, Platz zum Parken ist genug da. Leider ist es schon dunkel, viel ist nicht zu erkennen. Doch was wir sehen, muss es hier schön gelegen sein. In einer Scheune steht ein Pferd und Kaninchen hoppeln im Heu herum. Eine Terrasse ist über einen Seitenarm der Fichtelnaab gebaut, hier könnten wir wunderbar sitzen, wenn es denn eine andere Jahreszeit wäre. Daneben gibt es noch ein Spielzimmer mit allerlei Kicker und Co., falls die Kinder oder Kind gebliebenen Erwachsenen nicht dem Zoigl frönen wollen. Die Familie Senft hat auch eine Schweinezucht, ein Schild weist darauf hin, dass auf Medikamente und Wachstumsbeschleuniger verzichtet wird. Das Fleisch der Tiere kann man hier gleich kaufen. Während der Camping-Saison gibt es im Wirtshaus Schweinebraten und Co. von den eigenen Viechern.

Solide.

Solide.

Die Inneneinrichtung ist in einem hippen Retroschick gehalten, für ein nicht-großstädtisches Lokal ungewöhnlich. Wir sehen moderne Lampenschirme, die an die 50er erinnern und eine Wandtapete, die einen abstrahierten Wald zeigt. Mal was anderes, aber nicht hundertprozentig urig.

Einige Fliegen summen herum, das ist auf Bauernhöfen nun mal so. Störender finde ich die Fettspritzer auf einem Lampengitter. Normalerweise macht das bei einer Zoiglstube nix aus, aber hier fällt es wegen der eher schicken, minimalistischen Einrichtung doch auf.

Mei, da wird einem warm ums Herz.

Mei, da wird einem warm ums Herz.

Der Zoigl für 1,90 Euro stammt von der Wolframstuben und ist durchaus bekömmlich, besonders mundet das Gerstenaroma, das macht das Bier weniger bitter und eher mild.

Die Hausmacherplatte kostet 5,50 Euro. Der rote Presssack schmeckt weihnachtlich, der weiße ist säuerlich und könnte weniger salzig sein. Der Leberkäse ist gut, die Göttinger super. Die grobe Leberwurst ist würzig und gut, etwas fest in der Konsistenz. Das Geräucherte ist gut, aber mir ebenfalls zu fest. Die Speckwurst ist sehr gut, leicht würzig mit etwas Schoko-Aroma.

Die Terrasse ist überdacht, sollte es regnen wird das Bier nicht nass.

Die Terrasse ist überdacht, sollte es regnen wird das Bier nicht nass.

Daneben finden wir auf der Karte noch eine Schlachtschüssel. Das Wammerl darauf ist nicht zu fettig und gut, die Blut- und Leberwurst sogar sehr gut und würzig. Das Sauerkraut ist recht mild, säuerlich und gut durchgekocht. Schön, dass zwei Dotsche (Dotschs? Dötscher?) mit dabei sind, allerdings sind die recht fettig.

Fazit: Das moderne Design ist etwas ungewohnt, aber warum nicht mal was Neues wagen? Das nächste Mal würde ich aber lieber wieder im Sommer kommen, wenn man auf der Terrasse sitzen kann. Zoigl über einem Fluss zu trinken gibt’s sonst kein zweites Mal! Und ein Schweiners für daheim nehm ich mir dann auch noch mit.

 

Test vom 8.10.2016