Windischeschenbach

Windischeschenbach ist neben Neuhaus wohl DAS Zentrum der Zoigllandschaft. Welche Stuben sind besondere Perlen? Was kann man wo empfehlen?

Da Roude

Im Roudn kanns sehr lustig werden, das muss man gleich mal vorweg sagen. Wir saßen mit ein paar witzigen Typen am Tisch, deren leicht alkoholisierte Sprüche für die Nachwelt hier memoriert werden. Die Raumgestaltung ist recht hell, die Stube ist gemütlich und klein.

Der Zoigl kostet 1,70 und schmeckt mild und leicht herb, der Nachgeschmack ist bitterer. Aufpassen: Wer einen Krug mit Deckel bekommt, diesen UNBEDINGT SCHLIEßEN! Warum? Habe ich jetzt vergessen, ich glaube, man zahlt sonst die nächste Runde am Tisch. Ausnahme: Der Krug ist leer.

Was uns auffiel: Der Wirt trank keinen Zoigl, sondern Rotwein. Höchst seltsam, unser Tischgenosse half uns, diesem Mysterium auf die Spur zu kommen: „Rotweinlage Bürgermeisterschnaps schmeckt wie nasser Schäferhund.“ Fall gelöst.

Die Hausmacherplatte gibt’s für 4 Euro. Der grobe Leberkäse ist frisch und würzig. Die oftmals schlecht gelittene Speckwurst ist hier eine der besten, sie schmeckt ebenfalls frisch und würzig und zergeht auf der Zunge (was da wohl drin ist???). Die Göttinger passt so, die Teewurst ist äußerst pikant, Leberwurst ausgezeichnet. Beim Pressack hat die Sulz eine feine Zitronennote, leider war aber etwas viel knorpeliges Zeugs drin. Dieses Gericht animierte unseren Tischnachbarn zum Spruch: „Dr. Pressack empfiehlt: Ob der Pressack gut ist oder nicht, sagt dir gleich das Licht.“ Das Geräucherte hat leider unseren Geschmack nicht getroffen, es schmeckte recht fleischig und könnte ein bisschen mehr Salz vertragen. Damit tappten wir auch gleich ins Fettnäpfchen. Die Bedienung fragte uns, was wir denn da in unser Notizbüchlein schrieben. „Wir schreiben auf, wie das alles geschmeckt hat.“ „Und?“ „Es war alles hervorragend, bis auf Geräucherte, das war nicht so gut.“ „Ja, das machen wir auch selber.“ Hm. Vielleicht ist es nun besser geworden.

Es gibt auch noch warme Speisen, wir haben sie nicht probiert, aber unser Freund für diesen Abend meinte: „Es war ein schöner Tag, und diese Wurst, so eine Wurst. Diese Wurst mit Namen Krakauer ist der Hit.“

Für 1,70 kann man eine Schnupftabakdose Gawith Aprikose oder Gletscherprise käuflich erwerben. Auch hierzu kamen zwei Kommentar unseres Gegenübers: „Um zwölfe muss ich allerweil schnupfen, weil da habe ich die Nase voll.“ „Schnupftabak! Dou wiri wia a Ölch (Da werde ich wie ein Elch)“. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Fazit: Wenn er gut besucht ist, kann man im Roudn durchaus eine Gaudi haben.

Binner

Beim Binner (Inhaber Robert Sperber) wird es immer sehr launig, überaus familiär und lustig. Das liegt auch und vor allem am Wirt. Der „Robbi“ setzt sich gerne mit an den Tisch und lässt Sprüche raus, die nicht weniger deftig sind als sein Greicherts. Hier sollte man entweder recht früh, oder sehr spät kommen, da es trotz des großen Platzangebotes meist gestopft voll ist. Manchmal sitzt man dann auch auf Bierbänken in der Garage oder hinter der Destille. Denn der Binner brennt nämlich auch selbst Schnäpse und allerlei Geister. Für ihn ist das allerdings mehr Liebhaberei, denn so eine Destille „zahlt sich in einer Generation nicht aus“. Das Angebot ist hier einsehbar, einen Bericht über ihn findet man im Neuen Tag. Einmal durften wir sogar seinen Whiskey probieren, den er aus dem Biermalz brennt. Weil er aber nicht den Filter ausgewechselt hat, durch den normalerweise die Obstler gehen, hat der Whiskey eine wunderbar fruchtige Note. Allerdings gibt es diesen Whiskey nur alle paar Jahre. Der Kräuter hat ein volles Ambiente, feinduftend, der Nachgeschmack ist erst fruchtig-lieblich, dann rass und bitter, er Zitat „animiert zum Schnupfen“. Auf der Karte steht nämlich auch eine Dose Gletscherprise. Der Gawith-Aprikosen-Snuff liegt auf einer Kommode neben einem Bild von Papst Benedikt XVI.

Der Zoigl schmeckt hefig und leicht mild.

Der Brotzeitteller ist recht umfangreich und bunt. Ei, Paprika, Zwiebeln, Käse und Petersilie, soweit das fleischlose. Aber wo wären wir ohne die entscheidenden Zutaten? Der rote Pressack schmeckt geschmeidig und frisch, er schient wenig Blut zu enthalten. Die Göttinger ist gut, aber recht fettig. Der weiße Pressack überzeugt leider nicht, er enthält zu viel Salz und Ziederer (Sulz). Auch der Leberkäse schmeckte alt und fettig. Dafür bekommt das Greicherts (Geräuchertes) 5 von 5 Sternen. Perfekt. Nicht zu salzig und feinwürzig.

Besonders zu empfehlen ist auf jeden Fall die Käseplatte. Was hier für wenig Geld aufgetischt wird, da bleiben weder Auge noch Gaumen trocken.

Fazit: Einen gemütlichen Abend kann man beim Binner eher nicht verleben, dafür wird’s recht zünftig. Humor und Zeit sollte man auf jeden Fall mitbringen. Denn wie sagte einst der Binnerwirt, alias Robert Sperber: (01.30 Uhr, ein Gast steh auf) „Wüllst du aa scho hamgäi?“ „Ja.“ „Woooos, mitten unter da Zeit???“

Schlosshof

Der Schlosshof ist ein durchaus akzeptabler Zoigl, wenngleich der Außenbereich etwas steril wirkt. Der Zoigl kostete am Untersuchungstag 1,50 und schmeckt mild und firsch, dazu kommt eine leichtherbe Note und ein ebensolcher Nachgeschmack.

Die Käseplatte ist durchschnittlich. Beim Geräucherten sind die Scheiben dick und schmecken ein bisschen zu salzig, insgesamt aber in Ordnung. Die Gurke ist 1a. Mehr Infos gibt’s hier.

Fazit: Nette durchschnittliche Zoiglstube.

Posterer

Wo solche Werbung hängt, müssen die Menschen freundlich sein.

Eine urgemütliche Zoiglstube in der alten Posthalterei, sehr nett und liebevoll hergerichtet. Weil es ebenfalls recht gut besucht ist, rückt man zusammen. Die Leute sind freundlich und kommunikativ, aber nicht besonders angeheitert.

Der Zoigl schmeckt sehr mild und süffig, er ist nicht bitter und leicht hefig, zweifellos einer der besten Zoigl überhaupt.

Die Hausmacherplatte (die kleine gibt’s für 3 Euro) ist zu empfehlen, vor allem die Leberwurst ist ein Gedicht fleischlicher Gelüste. Die Teewurst dagegen ist eher mittelgut und leicht fett. Der Pressack schmeckt gut, mit zartrosa Fleisch, aber auch einigen Fettbatzen. Göttinger und Käse sind nichts besonderes, dafür aber der Leberkäse. Die Sauergurke? Basst scho.

Als Besonderheiten gibt es sauren Käse (Romadur in Essig, schmackhaft, könnte aber etwas länger ziehen). Das Dreierlei enthält eben jenen Käse plus Wurstsalat plus angemachten Pressack. Der Pressack ist überragend, aber der Wurstsalat könnte etwas weniger Zwiebeln vertragen.

Auf der Karte steht noch ein Kirsch-Whiskey, der besteht wohl hauptsächlich aus Kirschlikör und schmeckt kaum nach seinem zweiten Namensgeber.

Wir haben die Bedienung gefragt: „Ist das eher ein Whiskey oder Kirschlikör?“

„Mei, is halt sura Rouda…“ (Ist halt so ein Roter)

Wer interessiert ist, kann sich hier noch vertiefen.

Fazit: Unbedingt empfehlenswert. Hingehen!

Gloser

Der Gloser besitzt sicherlich die am schönsten hergerichtete Zoiglstube in Windischeschenbach. Die Wände sind in warmen Rot- und Grüntönen gestrichen, außerdem finden sich beleuchtete Glasbilder. Man könnte fast meinen, man wäre in einem englischen Herrenhaus, so gediegen ist die Atmosphäre. Trotzdem wirkt die Stube immer noch urig. Besonders das hintere Separée trägt mit seiner Gewölbedecke dazu bei. Allerdings ist es meist sehr voll, dann gibt es vielleicht noch ein Plätzchen im Durchgang bei der Eingangstür. Hier sollte man sich aber gerade im Winter warm anziehen. Ansonsten ist er ebenfalls altertümlich eingerichtet, wir finden eine uralte Stechuhr und andere antike landwirtschaftliche Gerätschaften. Auch der Garten ist mit seinem hölzernen Umgang und den Bäumen sehr liebevoll gestaltet. Sogar die Toiletten sind mit gerahmten witzigen Sprüchen dekoriert.

Was es mit der Stechuhr auf sich hat und wie die Glosers ihr Bier brauen, erfahrt ihr hier.

Die hübschen Bedienungen sind manchmal anscheinend sehr im Stress (sie sind nämlich oft nur zu zweit für Wirtstube und Garten), darum dauert es bisweilen leider etwas länger, bis Zoigl und Essen auf den Tisch kommen. Der Zoigl ist mild und leicht hefig, etwas zu sämig um süffig zu sein. Trotz des leicht bitteren Nachgeschmacks ist er gut und hat sogar ein Biosiegel. Auch die naturtrübe Apfelschorle ist sehr lecker. Ganz ausgezeichnet sind die Liköre und Obstler von Wolfgang Kriechenbauer, die man hier (aber auch bei einigen anderen Zoiglstuben) findet. Besonders muss ich dem geneigten Leser den Streuvados (aus Äpfel einer Streuobstwiese) und den ABZQ (Apfel, Birne, Zwetschge, Quitte) an Herz und Gaumen legen.

Eine Besonderheit ist das Oberpfälzer Carpaccio. Ein unglaubliches Gedicht. Das genaue Rezept wurde nicht verraten, aber ich habe versucht, diesen Himmel auf Erden ähnlich zuzubereiten, und bin recht nahe hingekommen:

  • Man nehme 250 g dünn geschnittenen, gekochten Schweinebauch oder Saftschinken,
  • ein oder zwei Frühlingszwiebeln,
  • Kürbiskernöl und
  • etwas Aceto Balsamico.
  • Schinken und Frühlingszwiebeln klein schneiden, alles miteinander vermischen und ein paar Minuten einmarinieren lassen. Fertig.

Die Erdäpfelsuppm (Kartoffelsuppe) dagegen geht so, sie schmeckt nur wenig nach Kartoffeln und die Wienerln sind etwas fad.

Das Geräucherte ist sehr fein geschnitten und hat nur wenig Fett. Es tendiert eher in die Richtung eines luftgetrockneten Schwarzwälder Schinken.

Sehr gut ist auch das Fischcremekipferl. Was das genau ist, konnte uns die Bedienung nicht sagen, „is halt sura gehäckseltes Fieschzeich (Fischzeugs).“ Satt wird man davon aber nicht.

Besonders schön finde ich, dass die Glosers ihre Lieferanten auf der Speisekarte angeben, also Bäcker und Metzger. So kann man sich was von dem guten Essen auch unter der Woche kaufen. Allerdings ist das hervorragende Brot eine Spezialanfertigung des Neuhauser Bäckers nach Rezept von der Gloser-Chefin Hermine Popp. Das kriegt man nicht im Laden, dafür muss man dann schon in die Zoiglstube kommen.

Fazit: Wer nicht sofort etwas essen will und Zeit mitbringt, ist hier wunderbar aufgehoben. Die laute Gaudi und Lärmigkeit findet man hier nicht. Stattdessen sorgen die wunderschöne Atmosphäre, ein Zoigl oder eine Apfelschorle, das Oberpfälzer Carpaccio und danach noch ein Streuvados für einen vollkommenen Abend.

Fiedlschneider

Der Fiedlschneider hat eine sehr gute Atmosphäre, denn man kann auch in einem ehemaligen umgebauten Stall sitzen. Dieser hat ein schönes Gewölbe mit dicken Säulen, sehr urwüchsig. Der Biergarten draußen ist nett.

Der Zoigl ist in Ordnung und schmeckt recht hopfig.

Der Brotzeitteller bekommt ein durchwachsenes Urteil. Während Tee- und Leberwurst gut und cremig sind, ist der Obazde fad, der Pressack zu fest und der Meerrettich wässrig. Der Käse riecht zwar säuerlich, schmeckt aber eher langweilig.

Da sollte man lieber zur geräucherten Forelle greifen, die ist sehr zu empfehlen, auch das Brot ist äußerst gut und würzig.

Fazit: Das Gewölbe ist auf jeden Fall einen Besuch wert, hier verlebt man einen eher ruhigeren Abend.

Wolframsstuben

Die Wolframsstube ist insofern ein Sonderfall, weil hier der Zoigl nicht im Kommunbrauhaus gebraut wird, sondern im eigenen Sudkessel, den man gleich beim Eingang bewundern kann.

Die Einrichtung wird von den vielen hellen Holzbalken dominiert, die den Gesamteindruck allerdings mehr in Richtung Wirtshaus als Zoiglstube lenken. Hier ist immer sehr viel los, trotzdem bekommt man in den allermeisten Fällen einen Platz.

Der Zoigl schmeckt frisch und süffig, er riecht nach Gerste, der malzige Nachgeschmack tendiert ebenfalls Richtung Gerste.

Die Hausmacherplatte siedle ich im Mittelfeld an, ohne große Ausschläge nach oben oder unten. Doch aufgepasst: Wer eine kleine Hausmacherplatte bestellt, bekommt eine normale Hausmacherplatte auf einem kleinen Teller. Also: Ordentlich Platz im Magen mitbringen.

Fazit: Kann man durchaus empfehlen.

Stern

Leider gibt es den Stern nicht mehr. Doch die Stimmung war ausgezeichnet. Denn ein Dauergast informierte das Lokal über den „Bierschlegel“ („Wo ist der Bierschlegel? Kennst du überhaupts einen Bierschlegel? Da ist der Bierschlegel! Jetzt holst du mal den Bierschlegel her! Sooooo ein Bierschlegel“) und erfreute uns mit seinen Tschechisch-Kenntnissen. Der Zoigl war ordentlich, die Einrichtung hatte einige nette Details und der Leberkäse zählte zu den Besten.

 

Tests fanden vor 2012 statt, werden aber laufend nachaktualisiert
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