Winterwanderung zum Stefflwirt

So gut, dass es gerne mehr sein könnte.

So gut, dass es gerne mehr sein könnte.

Den Zoigltest vom Stefflwirt in Wiesau beginnen wir in Mitterteich. Beim Lugert. Einfach so, weil wir es können. Und weil wir im Urlaub sind. Und das alles mit einer Winterwanderung verbunden haben. Ha!

Also Mittags Treffpunkt beim Lugert. Einen Zoigl bestellt und Ripperln dazu.

Der Zoigl für 2 Euro schmeckt zuerst recht eisenhaltig, als ob ein Säuerling zum Brauen verwendet worden ist. Dann aber kommt ein herberer Nachgeschmack. Vielleicht ganz gut für einen heißen Sommertag, jetzt im Winter könnte ich davon nicht allzuviel trinken. Bemerkenswert, dass hier die 2 Euro Marke geknackt wurde, die Inflation macht auch vor dem Zoigl nicht halt, wie der Kollege anmerkt.

Wer reinzoomt, der sieht im Panorama die Kreuzbergkirche.

Wer reinzoomt, der sieht im Panorama die Kreuzbergkirche.

Aber dafür die Ripperln. Ach! Ui! Oh! Und das für sage und schreibe 3,40, in Worten drei Euro vierzig! (Gut, bei unserem ersten Test vor vielen Jahren waren es noch 2,90) Nicht zu salzig, pfeffrig, gut würzig, gut durch, und das Kraut erst, ja wun-der-bar, wie Manni Kopfeck sagen würde. Allerdings hätte ich ein oder zwei Ripperln mehr schon noch vertragen können, um richtig satt zu werden, aber dafür hab ich dann das mitgereichte Brot gegessen.

Zum Abschluss gibt’s noch ein Verdauungshelferlein, einen Blutwurz für 1,70 Euro. Der beißt anfangs schon gscheid, ist aber recht aromatisch. Überraschenderweise ein Penninger. Da schau her. Die Kollegen trinken einen Bienenstachel, eine Art Honigschnaps aus Tschechien, sind davon aber weniger angetan.

Ungewöhnliche Oberpfälzer Einwohner.

Ungewöhnliche Oberpfälzer Einwohner.

So, losmarschiert. Wir kommen am Marktplatz und am Kommunbrauhaus vorbei. Das ist relativ groß. Im Bierjahr 1516 erhielt Mitterteich vom Waldsassener Kloster Marktrechte verliehen und die Bürger das Recht, Bier ohne Abgaben zu brauen. Das jetzige Kommunbrauhaus stammt aus dem Jahr 1864, es musste wegen des damaligen Baus der Bahnlinie verlagert werden. Wir gehen durch ein Wohngebiet, über ein Feld, unter der Autobahn durch und am Atommülllager vorbei. Das Industriegebiet Birkigt ist ungefähr so schön wie sich sein Name anhört, und der muss doch sicherlich aus Preußen stammen.

Noch ungewöhnlicher die besonders schlanke Form dieser Stiftlandsäule.

Noch ungewöhnlicher die besonders schlanke Form dieser Stiftlandsäule.

Wenigstens geht danach ein kleinerer Wald los, in dem sich trotz Schnee gut wandern lässt. Über die Bahnschienen drüber, und wir sind raus aus dem Wald. Schon sehen wir in der weißen, kalten Landschaft die Kreuzbergkirche von kräftigen orangenen Sonnenstrahlen beschienen. Früher, als Winter noch gleichbedeutend mit Not war, was galt da so ein Sonnenstrahl als Verheißung von Wärme, Wachstum, Leben! Heutzutage kommen da keine großen religiösen Gefühle auf, wenn man froh sein muss, dass überhaupt einmal Schnee liegen bleibt und wir in unseren Funktionsjacken und Wanderstiefeln nicht frieren müssen.  Wir schauen uns das an und denken, wie schön die Szenerie doch ist. Ein kurzes Gebet an einem Marterl, vorbei an einer Stiftlandsäule, und schon sind wir in Schönfeld. Dort machen erst einmal Pferde mit stämmigen Beinen auf sich aufmerksam. Die kriegen Apfelstücke, die sie aber nicht gleich im Schnee wiederfinden. Pffff. Am Ortsausgang müssen wir uns die Augen reiben. Wer steht denn da? Also diese Tiere passen ja gar nicht herein – ach doch, wir haben es ja einen Tag vor Dreikönig. Drei Kamele lungern in einem Garten rum und kommen an den Zaun ran. Ein Schild warnt davor, sie ja nicht zu füttern, da sie „rotzen und spucken“. Die Kälte mache ihnen kein Problem, sie hielten bis zu -50 Grad aus, so das Schild. Und diese Temperaturen sind selbst in der Oberpfalz eher selten.

Der Stefflwirt.

Der Stefflwirt.

Noch ein Anstieg und tadaaa, Wiesau. Und auf einmal geht das Schneegestöber los, huuuu, Kapuzen über die Mützen und weitergestapft. Endlich sehen wir die gelbe Pfarrkirche St. Michael vor uns. Dahinter liegt der Stefflwirt. Die Metzgerei ist noch offen, wir wollen aber sofort in die urige Zoiglstuben. Ui, und die ist um halb fünf nachmittags schon prall gefüllt.

Sowas sieht man gerne, wenn es drauß'd stöbert und schneibt.

Sowas sieht man gerne, wenn es drauß’d stöbert und schneibt.

Die Bedienung lässt uns in den Nebenraum, in dem der Kachelofen schon bollert. Mit einem Blick ins draußtige Schneetreiben meint sie: „Wer is’n aaf däi Scheißidee kumma, bei dem Weda wandern z’gäi?“ Na, das wird noch lustig. Wir sind die ersten und können uns den Tisch aussuchen. Eine halbe Stunde später ist aber auch dieser Raum komplett voll. Zu Gast sind Menschen zwischen 16 und 55, die älteren kamen wohl früher und haben sich einen Platz in der Stube ergattert. Hier sitzen Jungengruppen, Mädchengruppen, bayerische und türkische Arbeitskollegen an den Tischen, wir treffen Leute, die wir seit fast 15 Jahren nicht mehr gesehen haben.

Klare Sprache.

Klare Sprache.

Der Zoigl für 1,90 Euro schmeckt eher neutral, man kann schon viele davon trinken, aber es kommt kein besonderer Geschmack dabei rum. Wo der denn her sei, wollen wir wissen. Von unserer Bedienung kommt die Antwort: „Aus dem Hahn.“ Ach was. Nach etwas Insistieren rückt sie dann raus: Von der Brauerei Friedenfels.

Weil das Mittagessen nicht einmal drei Stunden zurückliegt, greifen wir zu Preiselbeer- und Himbeerschmandkuchen. Die schmecken recht gut, wobei das Verhältnis Himbeer-Schmand sehr zuungunsten der Himbeere ausgeht. Anscheinend findet man im Schnee nicht mehr so viele.

Jetzt sitzen wir da und reden und denken drüber nach, wann es denn wohl endlich Zeit wäre zum Abendessen. Die Bedienung macht es uns leicht, indem sie uns darauf hinweist, dass Bestellungen bei dem vollen Haus schon eine dreiviertel Stunde dauern können. Na, dann bestellen wir eben gleich. Und die Zeit wird wirklich ausgereizt, aber dafür ist dann wieder Platz im Magen.

Schaut gut aus.

Schaut gut aus.

Wer einen Platz in der Zoiglstube ergattern will, sollte möglichst früh vor Ort sein.

Wer einen Platz in der Zoiglstube ergattern will, sollte möglichst früh vor Ort sein.

Beginnen wir wie jedes Mal mit dem Brotzeitteller (4,80 Euro). Der Leberkäs hat eine gute Kruste, ist aber ein bissl fettig. Das Geräucherte ist eher hart zu schneiden und schmeckt alt, dem Kollegen, der gleich den ganzen Teller (4,20 Euro) davon hatte, fand es zu schinkenartig. Das Fleisch im weißen Presssack ist gut, der Ziederer OK. Der rote Presssack ist richtig gut und sehr würzig mit einer feinen Pfeffernote. Die Leberwurst hat einen Fettrand und schmeckt damit eher naja, ohne ihn sehr gut. Die Teewurst ist OK. Die Mettwurst ist gut und pfeffrig, die Polnische schmeckt harzig (auf was für Worte man in so einer Beschreibung kommt). Das Radieserl ist gut, das Gurkerl säuerlich. Die Kresse haut richtig rein, uiuiui. Die Butter ist fein säuerlich auf dem ordentlichen Brot, der Käse kaut sich eher gummiartig. Insgesamt ist die Auswahl recht groß und gut traditionell.

Bei der Schlachtplatte für 4,40 Euro gehen die Meinungen auseinander. Die Blutwurst finden einige Kollegen sehr fett und zu wenig gewürzt, andere finden sie wiederum gut. Die Leberwurst ist in Ordnung. Das Sauerkraut ist gut. Das Kesselfleisch kommt etwas geschmacksneutral und zu fettig rüber.

Das Kronfleisch könnte in dieser Form auch beim Vietnamesen serviert werden.

Das Kronfleisch könnte in dieser Form auch beim Vietnamesen serviert werden.

An diesem Tag gibt es gerade Kronfleisch, das ist das Zwerchfell des Rindes. Die Portion kostet 4,50 Euro. Die Bedienung fragt, ob die Kollegen es medium oder durch haben wollen, sie bestehen auf medium. Optisch macht das Fleisch ordentlich was her, sehr schön angerichtet, man könnte fast meinen, man wäre asiatisch essen. Es schmeckt gut, ist aber schon recht zäh. Dazu wird ein Potpourri diverser Würzen gereicht.

Jetzt noch ein Verdauungshelferlein, einen Landkümmel für 2,20 Euro. Der ist recht süß, schmeckt aber sehr gut.

In der Nacht drückt mich der Magen schon, aber nicht allzu wild. Schlimmer ergeht es einigen Kollegen. Die können evtl. gar nicht schlafen oder es räumt sie gut durch. Ja, man muss auch solche Themen ansprechen. Da weder der Zoigl noch unbändiger Fleischgenuss dafür verantwortlich sein können, liegt es sicherlich am Wandern. Zu viel zu Fuß unterwegs gewesen. Sollte man nicht zu oft machen, dem Körper zuliebe.

 

Test vom 05.01.2017
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