Zum Haner in Botzersreuth

Zoigl gibt’s in der Oberpfalz nicht nur in Städten und Märkten, sondern auch in der Pampa. In der ganz tiefen Pampa. Wie z.B. beim Haner in Botzersreuth. Wer jetzt meint, der Name höre sich seltsam an: Bei unserer Anreise kommen wir an den Orten Rotzenmühle, Klobenreuth, Wurz, Hutzlmühle und dem Kotzenbach vorbei. Da schalmeit ein Name wie Botzersreuth doch wohlklingend in den Ohren. Sicherlich eine Gegend, in der der Bierpreis klein und der Saupreiß fern ist.

Ein schlichtes Dorfwirtshaus.

Bei der Ankunft fallen uns die diversen Kennzeichen auf dem Parkplatz auf. Anscheinend ist der Haner doch nicht nur lokal bekannt. Das Wirtshaus selbst wirkt von der Brauerei Mönchshof gesponsert zu sein, so viel Dekomaterial finden wir hier. Das ist ja ganz nett von der Brauerei, aber allzuviel davon wirkt halt dann doch eher kitschig. Oder der Wirt sammelt Mönchshof Devotionalien. Vielleicht sollte er draußen ein Schild hinhängen: „Größte Mönchshof-Sammlung in ganz Botzersreuth!“

Richtig viel ist leider nicht los, aber dafür bekommen wir leicht einen Platz.

Nun gibt es ja manche Zoiglfreunde, die nicht begeistert sind, dass Wirtshäuser auf einmal anfangen, Zoigl auszuschenken. Noch dazu in Orten, die überhaupt gar niemals nicht ein Kommunbrauhaus besitzen oder besaßen. Einerseits stimmt es, dass dadurch die reine Zoigltradition verwässert wird. Andererseits ist so ein Zoiglausschank für viele Dorfwirtshäuser die vielleicht letzte Chance, die Bude regelmäßig wieder mit Leben zu füllen. Botzersreuth besteht aus sieben Anwesen, ob der Stammtisch da für große Umsätze sorgt? Es ist doch schön, wenn die Dorfgemeinschaft dann wenigstens zum Zoigl zusammen kommt (wobei es hoffentlich noch andere Gelegenheiten gibt). Und wenn sogar Gäste von weiter weg hierher gelockt werden, kann ich damit durchaus meinen Frieden machen.

Der Zoigl ist gut süffig und schmeckt leicht nach Hefeweizen.

Der obligatorische Brotzeitteller-Test: Der mittelgrobe Leberkäse ist gut würzig, genauso wie die Winzerwurst (manche sagen auch Frühstücksfleisch dazu), die Göttinger ist OK. Die Speckwurst ist ebenfalls gut würzig und hat diesen weihnachtlichen Geschmack. Würzig ist auch der weiße Presssack, allerdings hätte man etwas Salz sparen können. Die Leberwurst ist nichts besonderes. Das Greicherts ist schön zart, das Gurkerl und der Feldsalat OK. Das Radieserl kommt eher mild-lasch rüber.

Die Sulz bringt gutes Fleisch auf den Tisch, mit Essiggurke, gelben Rüben und Zwiebeln. Der Ziederer hätte etwas würziger sein können.

Der Wurstsalat ist schön mit Balsamico angerichtet, unser Tester fand die Wurst jedoch eher fad und fett und verpasste dem Gericht die Note durchschnittlich.

Ein Brotzeitteller, minimalistisches Design für barockig-wuchtig-wurschtige Kalorien.

Die Bedienung könnte dem Anschein aus dem Nahen Osten kommen, vielleicht ein Flüchtling. Er spricht recht gut deutsch, aber mit Akzent. Ich bestelle noch einen Pfiff und frage mich im nächsten Moment, ob er überhaupt verstanden hat, was ein Pfiff denn ist. Außerhalb der nördlichen Oberpfalz könnte wohl kaum einer wissen, was ich da gerade geordert habe. Aber tatsächlich kommt er bald darauf wieder und stellt ein volles Bier, das der Kollege bestellt hat, auf den Tisch, und mein halbes daneben. Sauber. So integriert ist kaum ein Restdeutscher. Was ihn wohl ausgerechnet nach Botzersreuth verschlagen hat?

Dann wollen wir noch einen Verdauungsschnaps haben. In der Karte ist für zwei Euro ein Alter Birnen Brand angegeben, der im Holzfass gereift ist. Na sauber, wo der denn her ist? „Aus Hörbranz“, meint unser Kellner. Hörbranz liegt in Vorarlberg, also nicht gerade der nächste Weg. „Da gibt es doch die Feinbrennerei Prinz“, entgegne ich. „Ja, natürlich vom Prinz“, meint er, als ob es das natürlichste der Welt ist, dass in Botzersreuth Geister aus so einer prämierten Ösi-Brennerei ausgeschenkt werden. Kurz danach probieren wir die leicht gelbliche Flüssigkeit. Und es ist unglaublich. Wohl einer der besten Schnäpse, die ich meiner Lebtag getrunken habe. Weich, kaum alkoholisches Brennen, fruchtig, rund, öliger Abgang, vergleichbar mit einer Beerenauslese, einfach nur Uiuiui. So Leid es mir tut, aber das ist eine echte Benchmark liebe bajuvarische Brenner.

Fazit: Der Haner ist für Überraschungen gut. Die Stimmung war bei unserem Besuch eher ruhig, die Atmosphäre hat schon eher an ein Mönchshof-Wirtshaus erinnert. Aber dass man dann von einem Herren mit Migrationshintergrund einen derart feinen Schnaps serviert bekommt, das gibt’s halt nur in Botzersreuth.

Test vom 19.11.2016
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