Zum Helm in Liebenstein

Der Eingang verheißt einiges.

Der Eingang verheißt einiges.

Bisher waren wir immer in recht bayerisch-gemütlichen Zoiglstuben unterwegs. Heute besuchen wir eine, die eher den Charme eines Techno-Clubs versprüht.

Die Zoiglstube Zum Helm in Liebenstein suchen wir erst einmal. Zwar mitten im Ort gelegen, müssen wir hinter einem Haus an der Straße über einen ungeteerten Weg zu einem Bauernhof fahren. Wir parken auf einer Wiese, das Auto wird uns den matschigen Pfad zur Zoiglstube und zurück beim Einsteigen danken.

Den Granit der Außenmauer greift das Schild auf. Kein Wunder, die ganze Gegend besteht aus Granit.

Den Granit der Außenmauer greift das Schild auf. Kein Wunder, dieser Teil der Oberpfalz besteht fast völlig aus Granit.

Durch eine Tür in einer urigen Granitmauer betreten wir den Innenhof, gleich daneben ist der Eingang ins Haus. Im Flur steht eine schöne Bauernvitrine mit Honig und Schnäpsen vom Schraml aus Erbendorf. Bis jetzt ganz ok, aber schon bei den Türen geht’s los. Hell furnierte Türen, die völlig kahl wirken, die Wände drinnen mit weißem Rauputz und beleuchtet von ultrakühlen Energiesparlampen erschlagen uns fast. Was soll denn das? Wird hier noch umgebaut? Nein, das ist nicht gemütlich. Und es ist alles ziemlich hallig. Obwohl wir uns gegenüber sitzen, müssen wir sehr, sehr laut reden um uns überhaupt zu verstehen. Mehr Holz an der Wand würde den Hall dämpfen und behaglicher wirken. Oder soll, dem Zoiglstuben-Namen gemäß, alles militärisch-zackig wirken? Zur Beleuchtungssituation meint der Kollege, dass jeden Moment ein Techno-DJ auflegen könnte, aber von der ganz harten niederländischen Schule der 90er.

Minimalismus kann schön sein, muss aber nicht.

Minimalismus kann schön sein, muss aber nicht.

Dabei finden wir bei der Inneneinrichtung durchaus originelle Ideen: Die Verkleidungen der Wandleuchten sind der Länge nach halbierte Bierfässer (allerdings aus Metall, das die Kühle der Lampen verstärkt), die Schirme der Hängelampen sind alte Helme. Könnten vielleicht aus Italien stammen, Bundeswehrhelme oder NVA-Helme sind es meiner Meinung nach nicht.

Trotz der kühlen Stimmung ist die Zoiglstube gerammelt voll, Jugendliche spielen an einem Tisch Karten, sehr schön dass es so etwas noch gibt. Anscheinend hat sich die Zoiglstube zu einem Dorftreffpunkt entwickelt. So soll es sein, da hat der Wirt ein gutes Werk getan.

Der Zoigl ist von der Brauerei Würth, mild und süffig, ganz ordentlich.

Doch so kahl die Inneneinrichtung ist, so schön dekoriert ist der Brotzeitteller für 5,50 Euro, den uns die überaus hübsche Bedienung bringt. Hier finden wir etwa Paprikawürfelchen drübergestreut, das bringt Farbe rein und wirkt sehr freundlich.

Ah, na das schmeichelt dem Auge. Wäre die Beleuchtung nicht so blau, würde es noch besser ausschauen.

Ah, na das schmeichelt dem Auge. Wäre die Beleuchtung nicht so blau, würde es noch besser ausschauen.

Willkommen im Neubau. Dabei sah das Haus von außen gar nicht so neu aus.

Willkommen im Neubau. Dabei sah das Haus von außen gar nicht so neu aus.

Der Leberkäse ist sehr mild und zart, die Göttinger ganz gut. Der weiße Presssack dagegen schmeckt fettig und alt. Der Scheibenkäse ist würzig, das Greicherts recht salzig. Die Leberwurst hat einen etwas metallischen Geschmack, ist aber ganz Ok. Den Obazden finde ich sehr gut, er ist nicht zu herb, der Camembert ist Ok. Die Speckwurst passt, ist allerdings etwas fettig. Die Tomate ist so lala, das Gurkerl passt ebenfalls, ist fest und knackig.

Interessanterweise gibt es Kaspressknödel mit Kraut für 4,50 Euro. Schön, dass man seltenere heimische Speisen auftischt. Laut Kollegenaussage sind die sehr gut.

Fazit: Unbedingt wärmere Glühbirnen reinschrauben! Unbedingt mehr Holz an die Wand! Gern auch die Türen etwas verzieren. Die solide Leistung der Küche sollte schließlich in der Innengestaltung ihre Entsprechung finden. Den Weg vom Parkplatz zum Haus bitte pflastern oder schottern, die Fahrer werden’s danken.

 

Test vom 22.10.2016
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