Der Gasthof Straub in Pfaffenhofen an der Zusam

20160313_140043Pfaffenhofen an der Zusam ist kaum einem bekannt, kein Wunder, es ist nur ein Ortsteil von Buttenwiesen. Das kennt nun auch nicht jeder, vielleicht aber ein paar Kinder der 80er – oder eines anderen Jahrzehnts. Denn dort regiert der Baby Butt. Zumindest ich bekam in den 80ern von dem irgendwelches Anziehzeugs.

In Pfaffenhofen finden wir den Gasthof Straub, ein recht imposantes Gebäude. 1803, zur Säkularisation, übernahm den Hof die Familie Straub, die das Wirtshaus auch heute noch betreibt. Bis 1968 gab es dort eine Brauerei. In früheren Jahrhunderten holten Bedienstete von hier die Schmankerln für den Augsburger Bischof ab, davon stammt der Hausname Lagoi. Was dieses Wort nun tatsächlich bedeutet, konnte ich bisher nicht klären, vielleicht kann ein im schwäbischen Dialekt bewanderter Leser helfen? Die Straubs kochen nur am Sonntag groß auf. Denn unter der Woche haben sie einen Bauernhof zu versorgen. Kürzer können die Transportwege des Essens wohl kaum sein.

Ein schöner Flur, noble Geschichte und tolle Restaurierungen.

Ein schöner Flur, noble Geschichte und tolle Restaurierungen.

Ich gehe rein. Der Flur ist recht breit, doch als ich die Stube betrete, bin ich doch überrascht: Die ist nämlich ziemlich klein im Verhältnis zur Größe des Gebäudes. Dafür aber sehr hübsch.

Alle Tische sind besetzt, ich schaue in einen kleinen Nebenraum, in dem nur ein Tisch steht. Dieser Raum heißt im Volksmund Affenkasten. Der war früher den Honoratioren vorbehalten. Im Dialekt gilt der Affe als Begleiter des weiträumiger bekannten Katers. Zuerst ist’s lustig mit dem Affen, dann kommt der Kater und man zeigt Reue. Der Tisch ist schon gedeckt, erscheint mir aber reserviert, obwohl kein Schild drauf steht. Ich gehe wieder zurück in den Hauptraum, da kommt die Bedienung auf mich zu und fragt, ob ich zu den sechs Leuten gehöre. Nein, ich bin ohne Reservierung hier. Da ich aber nur allein bin, kann ich mich an einen anderen Tisch mit dazu setzen.

Die gute Stube.

Die gute Stube.

Jung und alt sind im Raum, am Nebentisch schmaust anscheinend eine Geburtstagsgesellschaft, beschirmt von einem sonnig angestrahlten Kruzifix im Herrgottswinkel. Die Wandvertäfelung ist im so genannten klassizistischen Zopfstil gehalten, an einer Wand neben dem Eingang findet man noch einen Rest der ursprünglichen Wandbemalung. Das alles unter einer ebenfalls bemalten Kassettendecke. Obwohl es klein ist, hat man hier früher richtig gut Geld in die Hand genommen. Und heutzutage top restauriert. In den Tanzsaal kann ich mich leider nicht setzen.

Ich trinke ein kleines, super mildes und leicht frisches Helles für 1,40 Euro, und danach eine große Johannisbeerschorle für 2,80 Euro. Zum Essen bestelle ich mir einen Spanferkelbraten für 9,50 Euro, dann reizt mich aber doch noch die Festtagssuppe für 3,20 Euro. Die kommt recht bald, und ist eine echte Überraschung. Wir finden eine Lebernocken, eine Griesnocken, Brät, Nudeln und eine kleine Maultasche darin. Donnerwetter, das muss ja erst mal einer machen. Normalerweise ist es schon Luxus, wenn neben Lebernocken oder -knödeln noch Backerbsen in der Suppe schwimmen. Die Lebernocken ist fein, die Griesnocken ebenfalls, das Brät ist ok, die Maultasche recht lecker. Also was fürs Auge und die Zunge, wirklich so viel Liebe fürs Detail, toll! Von wegen sparsame Schwaben…

Der Affenkasten. Hinten an der Wand ein Guckloch, verschlossen mit einem Schieber. Darin konnten die ehrwürdigen Herren mit Affen in den Gastraum spähen.

Der Affenkasten. Hinten an der Wand ein Guckloch, verschlossen mit einem Schieber. Darin konnten die ehrwürdigen Herren mit Affen in den Gastraum spähen.

Beim Braten bekomme ich zwei Stücke Fleisch, einmal einen schmackhaften Rollbraten und ein ebensolches normales Bratenfleisch. Das Fleisch ist leicht nussig, muss also aus guter Quelle stammen und nicht aus Turbozucht. Die Knödel macht man hier wohl aus rohen Kartoffeln, fühlt sich im Mund jedenfalls so an. Ich mag ja die etwas weicheren lieber, wie man sie in der nördlichen Oberpfalz und Franken bekommt, was aber nicht den Geschmack dieser schmälern soll. Blaukraut gibt’s ebenso dazu, das kann auch was. Noch stärker finde ich allerdings die Schüssel mit Spätzle, die hauen nochmal richtig rein, ein leichter Ei-Geschmack ist da mit dabei. Die muss ich mir allerdings einpacken lassen, das schaffe ich zu meiner Schande nicht mehr. Also: Man wird satt, und wie!

Der holzbefeuerte Ofen.

Der holzbefeuerte Ofen.

Mit den Leuten am Tisch komme ich ins Gespräch, die sind alle aus der Gegend und etwas neugierig, wie man denn als Oberpfälzer hierher findet. Einmal über das Buch Genuss mit Geschichte, andererseits hatte ich in der Gegend zu tun, aber das erzähle ich ein anderes Mal. Die Leute, die im Affenkasten reserviert hatten, tauchten übrigens nicht auf. Also so ein tolles Lokal und dann nicht kommen, Banausen.

Ich zahle und schaue mir nochmal das Erdgeschoss an. Dabei komme ich an der Küche vorbei, in deren Mitte ein Ofen wie eine Insel aufragt. Und der ist holzbefeuert. Also kein High-Tech, sondern Tradition. Ich frage die Köchin, wie man denn da die Temperatur misst. Sie macht darauf eine Bewegung mit der Hand, die zeigen soll: Gefühl und Erfahrung.

Wer weiß, wann mich mal wieder eine Tour in die Gegend führt, vorbeischauen würde ich auf jeden Fall wieder. Und wenn Leute aus Augsburg das lesen sollten: Eine Fahrt rentiert sich, aber nur mit vorheriger Reservierung, ansonsten kann’s Probleme geben. Und einen Hunger mitnehmen, oder was zum Einpacken!

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