Preziosen aus Papier

Am Anfang steht natürlich die Papierauswahl

Am Anfang steht natürlich die Papierauswahl

Papier ist sehr vielseitig. Man kann darauf schreiben, man kann Geschenke darin einwickeln, man kann sich damit die Nase putzen und – man kann daraus Handtaschen herstellen. Naja, ein jeder „man“ kann das nicht, nur Maria kann das. Maria Verburg.

Wir besuchen sie zu Hause in ihrem Atelier. Sie wohnt mit ihrem Mann, einem Architekten und Kunstprofessor in Augsburg in einem reizenden Häuschen in der Innenstadt. Das Haus ist nicht gerade breit, in jedem Stockwerk befindet sich ein Raum, aber dafür hoch, und enorm stilsicher eingerichtet, sowashastdunochnichtgesehen!

Wir müssen bis unters Dach hinaufsteigen. Hier befindet sich Maria Verburgs Atelier und eine ziemlich umfassende Sammlung an Papier. Papieren. Handgeschöpfte Papiere aus Venedig, edle Seiden- und Lackpapiere aus Japan und viel altes. Da haben wir das handgeschriebene Inhaltsverzeichnis eines uralten Atlanten, über 100 Jahre altes Papier aus Venezuela, ein schönes Stückchen grünes Biedermeier und und und.

Ob dick und farbig...

Ob dick und farbig…

Eine Woche braucht sie pro Tasche, 10 fertigt sie im Jahr, für Ausstellungen (bis nach Korea) und für private Kunden. Dann kuckt sie, zu welchem Kleid die Handtasche passen muss, zu welchem Anlass (nur für die Opernkarten und die Lesebrille oder darf etwas mehr rein?) und zu welchem Typ. „Ein zierlicher Typ kann nicht mit einem so großen Kasten rumrennen.“

Natürlich fertigt sie dann einige Skizzen, wobei ihr die meisten Ideen beim Machen selbst kommen – oder in ihrem Alltag.

Handwerk

Jetzt geht ans Handwerken, das liegt ihr in der Natur. Früher hatte sie sich mit Buchbinderei beschäftigt, aber die Papiertaschen waren halt doch vielfältiger. Auch mit Stoff hat sie es nicht so. „Stoffe sind ja immer Moden unterworfen.“ Also öffnet sie ihre Papierschränke und schneidet (an einem gigantischen Schneidegerät) die Stücke erst einmal zurecht. Dann muss sie schlechtere Papiere (die vor einigen Jahren noch Säuren enthielten) mit anderen verstärken oder mit schöneren hinterlegen. „Das ist so stabil wie ein Buch oder ein Ordner. Aber draufsetzen sollte man sich natürlich nicht.“ Aber wenn mal was bei den Taschen fürs Handgelenk einreißen sollte, lasse es sich meist problemlos reparieren. Wäre ja auch schade drum, schließlich ist jedes Stück ein Unikat.

...oder handbeschrieben und alt, Maria Verburg weiß, wie man nicht so geduldiges Papier bearbeitet

…oder handbeschrieben und alt, Maria Verburg weiß, wie man nicht so geduldiges Papier bearbeitet

Auf einem Lithographiestein schärft sie mit einem extrem scharfen Messer das Papier an. Dadurch ist es nur noch einen Bruchteil dick und kann so nahtlos verleimt werden. Sie reizt besonders die unterschiedlichen Oberflächen, „Papier imitiert ja auch immer“, etwa Lederoptik, und die längst überholten Herstellungs- und Verarbeitungstechniken. Urnen stellt sie übrigens auch her, da steht sie schon in Kontakt mit diversen Bestattungsinstituten. Denn die neuen Begräbnismoden, etwa im Friedwald fordern ökologische unproblematische Behältnisse. Und was ist da besser als kompostierbares Papier, das man nach Belieben gestalten kann?

180 bis 500 Euro kosten die Preziosen. Meist ist nicht nur die Außenseite schön anzuschauen, auch das Innere wartet mit  Überraschungen auf. Außen braves rotes Blümchenmuster, innen knackiges Grün. Oder außen eher graue Maus, innen dagegen lila Farbenexplosion. Tja, Madame Verburg überlegt sich eben genau, was gut aussieht.

Am Schluss stehen bunte, verrückte, skurrile und meist auch praktische Hingucker aus Papier.

Am Schluss stehen bunte, verrückte, skurrile und meist auch praktische Hingucker aus Papier

Der ferne Osten, wohin es ihre papierenen „Kästen“ verschlagen hat, würde sie schon sehr reizen, gerade wegen der schönen Papiere drüben. Doch da müsste man ja jemanden kennen und die Reise dauere sehr lang. Dann gehen eben ihre Taschen auf die Reise, aus teils über hundert Jahre altem italienischen, südamerikanischen oder japanischen Papier, gezeigt in der ganzen Welt, hergestellt in einem beschaulichen Häuschen in Augsburg.

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