Wer Augsburg sagt, muss auch Bud sagen

So wohnen die fleißigen Schwaben

So wohnen die fleißigen Schwaben

Ein kurzer Abstecher in die Hauptstadt Schwabens bringt eine gar reizende Innenstadt zum Vorschein. Den goldenen Saal im Rathaus und den Dom und die St. Ulrichs Kirche besuchen wir das nächste Mal. Heute wollen wir Abend essen und kurz noch was Trinken. Wir gehen über die Maximiliansstraße, lassen das Kaffeegäßchen hinter uns und auch den Hunoldsberg. Putzige Namen und Sträßlein haben die Schwaben ja schon. Aber nur nicht mit dem Auto rumgurken, das kann bisweilen ganz schön eng werden. Dass in der Innenstadt größere Autos als ein Smart fahren, wundert mich durchaus. Irgendwann stehen wir dann im Meister-Veits-Gäßchen, linkerhand ist die Fuggerei. Die älteste noch existierende Sozialsiedlung der Welt, wo alte Leute immer noch für einen Appel und ein Ei (keine Ahnung wie es auf Schwäbisch heißt) wohnen dürfen. Sie müssen nur für den Gründer der Siedlung, Jakob Fugger, beten.

Orrrrrrdentliche Portion

Orrrrrrdentliche Portion

Sehr angesagt soll derzeit das Drei Königinnen sein. Denn hier braut man ein eigenes Bier, namens (Achtung, klingt etwas preußisch) Augusta, ist aber urschwäbisch. Ich bleib beim Alkoholfreien, also schlecht ist das nicht, hat allerdings einen etwas herben Nachgeschmack.

Zum Essen bestelle ich ein Schweiners. Ich bekomme zwei große Scheiben Steak, in einer rahmartigen Soße mit vier dicken Krokettenstücken. Also, beim Essen sind die Schwaben fei nicht sparsam. Ich schaff es nicht allein! Es schmeckt und ich habe des Nachts auch keine besonderen Alpträume gehabt.

Im Kühlschrank befindet sich allerlei gesundes, buntes und faires Blubberwasser

Im Kühlschrank befindet sich allerlei gesundes, buntes und faires Blubberwasser

Wir ziehen weiter, uns wurde das Weiße Lamm empfohlen. Das dauert allerdings, bis wir es finden. Einige Ecken, die wir passieren, erinnern doch stark an die Unästhetik der 50er und 60er Jahre. Und dazwischen immer wieder Gründerzeit-Villen.
Endlich haben wirs gefunden. Die Einrichtung schreit aus sich raus: Kult! Wie in den hippen Lokalen anderer deutscher mittlerer Großstädte finden sich hier Sofas und Sessel aus den 50er und 60ern, faire Limonaden und ausgewählte regionale Biersorten. Eine Bedienung gibt’s nicht, wir stellen uns in die Schlange, die an der Bar ansteht. Endlich ist’s soweit, ich nehme die Lammhalbe. Das ist eine Halbe der Lamm-Brauerei aus Altomünster. Und holla die Waldfee, also dieses Bier rangiert mindestens unter den 20 Besten, die ich meiner Lebtag probiert habe. Mild, leicht würzig, einfach nur wow.

Die Lammhalbe ist schon vom Design her ungewöhnlich

Die Lammhalbe ist schon vom Design her ungewöhnlich

Wir lehnen uns in den Sofas zurück, Kicker wollen wir gerade nicht spielen (steht aber einer da), im Flachbildfernseher läuft gerade ein Film mit Bud Spencer. Der bringt irgendeinem zusammengewürfelten Nerdhaufen das Footballspielen bei. Bud Spencer fand sich auch schon als Kultfaktor vor Jahren im Propeller in Würzburg. Wahrscheinlich weil er ein Held der Kindheit ist, mit dem jeder positive Erinnerungen verbindet. Und eine absolut männliche Männlichkeit ausstrahlt, mit der sich männliche Männer, und solche die es werden wollen, identifizieren können. Oder weil er den ersten Hipster-Bart getragen hat. Vielleicht kommt er in seiner Haudrauf-Gemütlichkeit auch unserem bayerischen Wesen entgegen.
Beim Herausgehen sticht uns noch ein Flyer ins Auge. Eine Postkarte mit einem Ölgemälde von einem Satyr verspricht barocke Pracht. Forza Electronica steht da, im schwarzen Schaf. Anscheinend hat das weiße Lamm noch einen bösen Bruder, der nachts länger aufbleiben darf und wildere Musik hört. Huiuiui.

Möbel und Gäste aus ganz Schwaben zusammengetragen

Möbel und Gäste aus ganz Schwaben zusammengetragen

Leider läuft die Veranstaltung an einem anderen Tag. Dennoch hebe ich mir den Flyer noch viele Wochen auf, irgendwann muss ich da hin. Der Satyr verheißt schließlich orgiastisch-elektronische Ohrenfreuden. Wer hätte sich sowas in Schwaben vorstellen mögen?

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