Ein Wintertag in Veitshöchheim

Veitshöchheim ist dem breiten Publikum nur über die Innenaufnahme einer Halle bekannt. Dort findet nämlich die Veranstaltung Fastnacht in Franken statt, die in den dortigen Mainfrankensälen aufgenommen wird und die quotenträchtigste Sendung des Bayerischen Rundfunks ist.

Das Spundloch ist von außen durchaus altertümlich.

Fastnacht ist uns aber jetzt egal, wir müssen uns erst einmal stärken. Dafür begeben wir uns ins Wirtshaus Spundloch. Das Wirtshaus wartet mit einigen Auszeichnungen auf. Von außen ein schönes, 300 Jahre altes Fachwerkhaus.

Historismus des späten 20. Jahrhundert, wem’s gefällt…

Innen ist es in mehrere Räume unterteilt. So gibt es einen alten, schönen Raum mit einem ordentlich heizenden Kamin. Ich sitze aber leider in einem auf alt gemachten Durchgangszimmer. Die Deko ist gut gemeint, wirkt aber auf mich etwas überladen, wie das reich verzierte Trenngitter, das zwischen den Tischen steht, etwas kitschig. Geschmackssache. Sehr schön sind dagegen die Fenster, auf einer Glasmalerei finden wir St. Veit in seinem Topf. Denn der Märtyrer wurde der Legende nach von Kaiser Diokletian gezwungen, vom christlichen Glauben abzuschwören. Nachdem er sich weigerte und die Löwen im Zirkus sich vor ihm hinlegten, wurde er in einen Topf mit siedendem Öl gesteckt. Engel retteten ihn daraus, und brachten ihn an einen anderen Ort, wo er starb. Das Bild mit dem Heiligen in Topf wird oft dargestellt, Veit ist daher auch der Schutzpatron der Gastwirte. Das ist der seltsame Humor der katholischen Heiligenverehrung, ein weiteres Beispiel wäre der heilige Laurentius. Der wurde zu Tode gebraten (am Spieß, er soll den Folterern zugerufen haben: Bitte drehen, die Seite ist durch) und kümmert sich seitdem um die Köche. St. Veit von Staffelstein wird auch in einer Strophe des Frankenliedes angerufen, und na, wer ist wohl der Schutzpatron von VEITShöchheim?

Die Suppe ist schön angerichtet aber nicht allzu groß.

Die Bedienung ist sehr freundlich, wirkt aber etwas verplant, anscheinend wird sie gerade angelernt. Der trockene Bacchus aus dem Weingut Braun aus Fahr hat über sechs Gramm Restzucker. Er ist OK, duftet gut, schmeckt leicht säuerlich, klar, mineralisch und kostet 2,20 Euro für 0,1 Liter. Anschließend muss ich mich zwischen einer Silvaner Trockenbeerenauslese für 7,50 Euro entscheiden, die bombastische 245 Gramm Restzucker auf die Waage bringt. Aber ich bin im Sparmodus und leiste mit nur eine Huxlrebe Auslese für 3 Euro aus Thüngersheim. Die ist cremig, leicht ölig, ganz OK. 3,20 Euro kostet der halbe Liter Mineralwasser.

Die 4,20 Euro für das kleine Tässchen Leberknödelsuppe finde ich echt happig. Aber wahrscheinlich war das Pfund Salz so teuer, das darin verarbeitet wurde. Wir finden aber auch Brandteigdinger darin, die Knödel sind OK.

Unter der Soße ist noch Tafelspitz..

Das kleine Hochzeitsessen für 13,40 Euro hat sehr zartes Fleisch und eine milde gute Meerrettich-Soße, interessant mit Sauergurke. Die Nudeln dabei passen.

Ich verlasse das Lokal und gehe durch den Ort.

Mei, da staunt der Putto…

Im Maxl Bäck nebenan kaufe ich mir Heinerli. Davon habe ich schon mal in einem alten fränkischen Kochbuch gelesen. Die Heinerli sind Oblaten aufgeschichtet mit einer Schokoschicht dazwischen, einfach, aber ganz gut.

Auf dem Platz zwischen St. Vitus Kirche und Rathaus gibt es einen Weihnachtsmarkt (ja, der Test fand im Winter statt). Allerlei Glühweine und selbst gemachte Lebkuchen werden angeboten, aber ich bin noch recht voll vom Essen. Als der Helene Fischer Song aus einem Stand auf das Jingle-Bells-Medley des Kinderkarrussels trifft, flüchte ich mich in die Kirche. Da ist alles etwas gedämpfter und erträglicher.

Kein Wunder bei dem Anblick!

An den Ratskeller und die Kirche angebaut ist ein grauenvolles Betonhaus, wer die Stadt wohl geritten hat, in die schöne Barockstadt so ein fürchterliches Brutalismus-Glump hinzustellen vermag ich nicht zu sagen, nur so viel: Die Altneihauser Feierwehrkapelln hätte hier in Veitshöchheim mit all ihren jährlichen Beleidigungen recht, würde man Franken auf dieses Ensemble reduzieren.

Dieser Putto muss Richtung Stadt auf den Betonbau blicken.

Ich wende mein Haupt voller Ekel von diesem Bau und schaue mir lieber das Schloss Veitshöchheim und den Rokokogarten an. Je nun, das Schloss hat leider zu, aber der Garten ist sogar im Winter mit seinen Sichtachsen unbedingt einen Besuch wert. Gut, im Sommer sollte man nochmal kommen um ihn wirklich würdigen zu können.

Auf dem Weg zurück mach ich noch einen Schlenker und schaue am Haus des Fastnachtvereins Franken vorbei. Dort finden wir als Fresko, Lüftlmalerei oder Wandgemälde all die Spezis verewigt, die jedes Jahr beim Veitshöchheimer Fasching auf der Bühne stehen. Sogar der als Shrek verkleidete Markus Söder dargestellt. Was werden die Leute dazu in 300 Jahren sagen? Hatte hier das Volk seinen künftigen Herrscher als Ungetüm dargestellt? War das eine Kritik an einer schwarz-grünen Koalition?

Am 11.11. werden Söder und Konsorten freigelassen. Ob er dann auch Ministerpräsident wird?

Wir verlassen den Ort. Hm, im Winter ist es ganz schön, aber für den Sommer muss ich mir unbedingt nochmal den Rokokogarten anschauen. Im Spundloch kann ich dann wieder essen, allerdings setze ich mich dann in den original historischen Raum. Die Leberknödelsuppe schenk ich mir, das Hochzeitsessen dagegen ist durchaus eine Empfehlung.

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