Café zum schönen René

Das Café zum schönen René liegt etwas abseits der Würzburger Fortgehmeilen. Nämlich am Hauptbahnhof. Diesem grauenvollen Gebilde aus den 50ern, an dem eigentlich nur die gigantische Uhr ansehnlich ist (wer die Wirtschaftswunderzeit mag) – und der Kiliani Brunnen davor. Um den Bahnhof gruppieren sich in kleinen Buden Telefonkartenläden, ein Döner-Imbiss und Head-Shops, die mit afrikanischer Kunst werben. Die seit ca. 50 Jahren notwendige Renovierung wurde durch Bürgerentscheid blockiert, man will lieber den ganzen Bahnhof umbauen. Das macht man aber nicht, man werkelt nur etwas herum. Gerade soweit, dass er immer noch dürftig bis sterbenslangweilig aussieht.

Morgengrauen in historischer Kulisse

Morgengrauen in historischer Kulisse

Trotzdem findet man hier den Club, DEN Club, der bayernweit wohl zu den besten gehört und der sogar Berlin aufmischen könnte. Club müsste man eigentlich in Anführungszeichen setzen. Also bitte: „Club“. Denn das Café zum schönen René ist generös geschätzt 35 qm groß. Der DJ darf in einem Wandverschlag von 1,5 qm Musik auflegen. Die Bar hat Normalmaße. Draußen weist ein rosa Hahn auf weißem Leuchtschild den Weg. Wir betreten das (oder den?) René durch ein kleines Spalier von Rauchern, die sich vor der Tür aufhalten und flirten oder über Zombiefilme reden oder sich freuen oder lachen oder schreien  oder rumalbern oder sich ärgern oder rauchen. Dank keiner Türpolitik kommt hier jeder rein. Der Yuppie-Jura-Student trinkt seinen Cocktail neben dem Bahnhofs-Penner, der hier noch ein letztes Bier zischt. Bisweilen trinkt man auch miteinander. Das Ideal der klassenlosen Gesellschaft. Vergesst den Kommunismus, fangt einfach das Feiern an. Ich frage mich sowieso immer, was das für Bars oder Clubs sind, die Menschen aufgrund ihres Äußeren ausschließen. Solche Orte sollen Menschen zusammenbringen, sollen Orte der Begegnung sein, inspirieren. Und keine abgeschotteten Festungen, in denen die immer gleichen Menschen der ewigen Wiederkehr des immer Gleichen frönen und so in der Hoffnung auf die immer gleiche, meist gleich langweilige hingebritschelte Schönheit degenerieren. Gehen wir lieber ins René!

Entrée au René

Dem DJ kann es in seinem Wandschrank schnell warm werden, wenn er dem Publikum einheizt

Dem DJ kann es in seinem Wandschrank schnell warm werden, wenn er dem Publikum einheizt

Drinnen lassen wir Garderobe und eine leicht abenteuerliche Toilette links liegen. Vor uns die Bar, rechts ein paar Tische, schräg rechts die „Tanzfläche“. Die sollte vor zehn oder elf Uhr abends „„Tanzfläche““ heißen. Miniwiniwinzig. Ab elf aber werden die Lampen nach oben gekurbelt und die Tische und Stühle rausgeräumt. Nun ist es schon eine „Tanzfläche“. Vorher ist der „Club“ tatsächlich ein Café. Und diesmal ganz ohne Anführungszeichen. Die Bar bietet 1643, das trinkbare Bier vom Würzburger Hofbräu und Keiler Weizen (gut, aber mit Vorsicht zu genießen!). Daneben gibt es aber noch „Spezialitäten“. Wenn man einen Feind hat, oder jemandem, dem man ein Erlebnis bieten will, das er nicht so schnell vergisst, dem gibt man einen Mexikaner aus. Der Mexikaner zählt wohl zu den bizarrsten Cocktail-Shot-Erfindungen aller Zeiten. Die genaue Rezeptur wird aber geheim gehalten. Anscheinend enthält er Wodka, Tequila, Tomatensaft, Tabasco. Anschließend wird noch Oregano (oder Pfeffer?) drübergestreut und das Stamperl mit einem Basilikumblatt garniert. Der Geschmack erinnert an Pizzabelag, der mit einer Kratzbürste in die Speiseröhre befördert wird. Frauen geben diesen auch ihren Freundinnen oder „Freundinnen“ aus.

Die blaue Stunde

Die blaue Stunde

Wer hiervon schnell genesen will, dem wird ein Hl. Alexandré an Herz und Rachen gelegt. Dieser Shot scheint hauptsächlich Milch oder Sahne zu enthalten, auch hier wieder: streng geheim! Die Connaisseurs erinnert er entweder an Zahnpastaschaum mit Buttermilch oder Fruchtzwergeeis.

Alle anderen sollten den Haselnussgeist probieren oder einen Pimms No. 1. Aber auch bei den nichtalkoholischen Getränken kann man manch positive Überraschung erleben. Die alkoholfreien Cocktails oder Tonics sind gut genug, um beständig durch den Abend zu geleiten.

Authenticité du René

Circa 400 Leute auf 23 Quadratmetern freuen sich auf Erdbeerkuchen mit Drum'n'Bass

Circa 400 Leute auf 23 Quadratmetern freuen sich auf Erdbeerkuchen mit Drum’n’Bass

Abgesehen von diesen abstrusen Flüssigkeiten, was macht den Charme des Renés aus? Die Authentizität der Betreiber. Bene und Flo und-wie-sie-noch-alle-heißen. Eine Beobachtung soll diese These erläutern: Die Vorgängerkneipe hieß Propeller und es gab sie knapp über ein Jahr in der Karmelitenstraße. Leider musste sie wegen Hausabriss schließen. Ein Ort mit Glühbirnenwand, Schutzengelbild, Plüschmöbel, Nierentischen, rosa Klo und einer Empore, zu der man über eine Leiter kam und auf der man das Stroh (!) aus dem Putz ziehen konnte. Wie der René ein Ort zwischen Ludwig Erhardt und Salvador Dalí. Zwischen Wirtschaftswunder und Surrealismus. Eines schönen Abends, die Stimmung erfreute sich drinnen ihrer Fröhlichkeit, gingen zwei der Betreiber nach draußen. Durch das große Schaufenster konnte ich die beiden sehen, wie sie nach drinnen schauten, sich leise zunickten und fein, fast feinsinnig lächelten. So als wollten sie nach einem langen, guten Leben zufrieden dem Herrgott danken und sagen: Es war gut. Wir haben den Menschen Gutes getan.

Schée is im Renée

Bei näherer Betrachtung ist die blaue Stunde bunt

Bei näherer Betrachtung ist die blaue Stunde bunt

Zurück zum René in einen dampfenden Kessel voll von Drum & Bass (oder HipHop) und den diversesten Remixes von Kid Cudi vs. Crookers „Day ‚n‘ Nite“ oder DJ Zinc „Ready or not“. Im René sind die verschiedensten DJs zu Gast. Weite Anreisen, 1,5 qm DJ-Raum und 35 qm Club? Da muss zumindest die Stimmung für das Café sprechen. Die Tische sind weg, die Lampen hochgezogen. Beginnend auf der Bar über die Tanzfläche bis auf die Sitzbänke tanzen und springen die Leute herum. Trotz der Action und der ordentlichen Musik kann man sich an den Seiten noch gut und intensiv unterhalten. Man tanzt, lacht und redet. Ab und zu kommt die Polizei vorbei und mahnt wegen des Hotels gegenüber, Kompromisse werden gemacht, aber drinnen nicht wirklich wahrgenommen. Die Stimmung bleibt. Durch die großen Panoramafenster sieht man die Nacht weichen, lila, malvenfarben, rosa, immer stärker malt sich der Morgen an den Himmel. Der Chef erscheint auf einmal auf der Tanzfläche, was vom Kuchen übrig blieb wird unter die Leute gebracht. Gratis. Erdbeerkuchen mampfend, in der rechten Hand die andere Hälfte, die linke Hand nach oben gestreckt, begrüßen wir tanzend zu Drum & Bass den neuen Tag. Der Morgen erwacht, zu himmlisch-erdbeerkuchiger Electro-Pracht. Pardon für diesen Satz, aber er beschreibt die Atmosphäre recht genau. Irgendwann wackelt man dann heim, durch das in der blauen Stunde wunderschöne Würzburg und man denkt sich: Ja, genauso, genauso soll‘s sein. Ganz ohne Anführungszeichen.

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5 Kommentare

  1. „wohl zu den besten bayerns…“ HA HA! wohl eher der club mit der schlechtesten omnitronic anlage bayerns! höhentinitus & bass fehlanzeige – dafür low-budget DJs/chef mit superego. kann man aber verstehen dass sie auf ego fahren, da die jungs in anderen clubs nicht gern gesehen sind – graben mit dem kein-eintritt-ding halt viel kundschaft ab .. Die tollen shots sind direkt aus Hamburg und Berlin geklaut. kennen wir hier seid jahrunderten – weswegen hier auch kein hahn nach dem laden krähen würde. In würzburg halt der einzige zentrale laden in der alterno-skater-hipster-richtung. einziges +argument und wohl auch existenzgrund. sobald in wü gescheite konkurrenz käme müssten die sich ordentlich anziehen. prost.

    1. Nun, ich lasse gerne jedem seine Meinung, die er hier auch veröffentlichen darf und soll. Aber: Wenn etwas Hamburger oder Berliner Club Flair nach Würzburg kommt, ist das doch gut. Und ein derartiges Wohlbefinden hatte ich in Berlin noch in keinem Club. Dort wird gerne alternativ getan, und trotzdem ist dann alles schnöselig-spießig. Außerdem: Die Berliner und Hamburger haben wohl kaum solch einen guten Wein im Ausschank!

      1. Der Artikel ist Bockmist*, der René ist Bockmist. Der Frankenwein ist natürlich spitze. Dafür kann aber dieser Schuppen nichts. Die Shots (wie Mexikaner) gabs wahrscheinlich schon vor 2 Jahrzehnten in Tscharlies Musikkneipe (still a better club than René).
        In Würzburg gibt es leider nur einen ordentlichen Club: das L. Wobei der mittlerweile auch von Wannabe-Hipstern überrannt wird. Ach, diese Typen, wie sie alle nach Individualität streben und sich über ihr Äußeres definieren… letztendlich schauen sie alle einfach nur gleich aus – gleich kacke.

        *Sprachlich gut, aber der Inhalt…

      2. Tscharlies Musikkneipe mit dem René zu vergleichen ist nicht Äpfel mit Birnen, sondern eher Wiener Würstchen mit Erdbeerkuchen. Oder die guten alten Achtziger mit einer nicht allzufernen Retro-Zukunft. Und der Penner sieht eben nicht so aus wie der Yuppie, das macht ja die Bandbreite des Renés aus.

    2. Is ja klar dass jemand der gleichzeitig aus Berlin und Hamburg kommt, ergo das Feiern erfunden hat, schwer zu begeistern ist. Bitte bleib doch einfach dort….eh geiler. Du bist voll geil…und deine Freunde sind geil und ihre Retroräder sind geil…..gääähn.

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