Die Heckenwirtschaft Schenk in Randersacker

Eigentlich will ich in Randersacker in einem Lokal was essen. Der Weinort südlich von Würzburg ist ein beliebtes Ziel von Kulinarikern aus der größeren Stadt. Kurz nach Ortseingang sehe ich aber das Schild „Heckenwirtschaft“. Ooohhhh, da schau her! Scharfe Rechtskurve und schon stehe ich mitten im Eingang der Heckenwirtschaft Schenk. Da ist zwar ein Schild mit der Aufschrift „Kundenparkplatz“, aber das kommt mir schon etwas seltsam vor. Als einziges Auto direkt vor der Wirtschaftstür…

Von außen wirkt das Weingut ganz nett, aber architektonisch nicht besonders extravagant.

Ich trete ein und frage den jungen Wirt, alles OK, kann da stehen bleiben. Die Stube ist recht urig, gemütlich, etwas hell, und ziemlich voll. Ich setze mich an einen Tisch mit dazu. Das Dazusetzen ist auch in den Zoiglstuben typisch. Ein älterer Mann dauerbeschallt gerade die anderen Anwesenden. Zunächst versucht er die Dame am Tisch zu bezirzen, was angesichts des nicht endenwollenden Redeflusses und der etwas mauen Flirtsprüche schnell nervig wird. Diese Extrovertiertheit ist dann doch ein Unterschied zur Oberpfalz. Dann aber erzählt er allerlei von fränkischen Winzerorten und besonderen Wirtshäusern, die teilweise nur einen Tag offen haben, doch recht unterhaltsam. So empfiehlt er das Gasthaus Stern in Sulzfeld, den Schlosskeller in Rüdenhausen und die kleinste Brauerei in Seinsheim. Ist notiert!

Da die Bude gscheid besucht ist, muss ich etwas warten bis die Bedienung kommt.

Les Zipfel bleues.

So, was gibt’s jetzt zu trinken? Der Bacchus ist leicht blumig im Duft, im Geschmack recht fruchtig und leicht säuerlich, er hat ordentliche 23,5 Gramm Restzucker. Ich bestelle ein Achterl, und bekomme irgendwas zwischen 0,1 und 0,25 l eingeschenkt.

Die blauen Zipfel kosten nur 5,50 Euro und schmecken ausgezeichnet. Sie sind grob, viel Sud ist mit dran, vielleicht könnte der Sud einen Tick weniger Brühe enthalten.

Ihre Zutaten bekommen die Schenks von regionalen Herstellern, das Fleisch etwa kommt von der Metzgerei Reichert in Reichenberg.

Als Nachspeise gönne ich mir Eiswein und Pfeffernüsse. Der Silvaner Eiswein ist honigartig, aber auch leicht säuerlich und hat bombige 270 Gramm Restzucker. Die Pfeffernüsse sind etwas hart, aber das gehört wohl so. Leichter Geschmack nach weihnachtlichen Gewürzen, passt aber nicht unbedingt zum Eiswein.

Wie es sich für ein altes Weingut gehört, ist innen drin alles etwas verwinkelt.

Ich zahle und frage beim Winzer, ob ich noch ein paar Flaschen mitnehmen kann. Aber freilich. Also gehen wir über den „Parkplatz“ (wo ja nur mein Auto steht, Platz für mehr ist ja nicht) in den Lagerraum. Da kaufe ich noch drei Literflaschen Bacchus zu je sechs Euro.

Der Winzer Thomas Schenk erzählt von seiner Arbeit. So hat das Weingut die Weinberge an unterschiedlichen Orten, damit es zu keinen Totalausfällen kommt, wenn es einmal hagelt. Das Wetter ist tatsächlich entscheidend für den Winzer. Auch heute in unserer durchdigitalisierten Zeit richtet er den Blick noch oft nach oben. Bei schlechter Witterung ist halt zur Weinlese nur 35% Ertrag eines normalen Jahres da. Bei mindestens den gleichen, wenn nicht noch höheren Produktionskosten. Bei all den Unwägbarkeiten, man spürt, dieser Mann ist leidenschaftlich Winzer.

Daran hat man schon zu beißen…

Thomas Schenk ist Mitglied der „Ethos“ Winzer. Das sind 13 junge fränkische Winzer, die sich ganz der „Nachhaltigkeit“ verschrieben haben, nicht nur im ökologischen, sondern auch im sozialen. Bereich. Bio würde bei manchen Weinbergen nicht möglich sein, weil der Aufwand zu groß sei. Das sollen dann keine Rumänen für einen Hungerlohn machen. Die Ethos-Winzer haben den Anspruch: Wer bei uns in einer 40-Stunden-Woche arbeitet, soll hier in Franken davon leben können. Das klingt erst einmal logisch uns selbstverständlich, aber oft hört man dann doch von negativen Fällen in der Landwirtschaft. Die Ethos-Winzer wollen so ein Lohndumping nicht mittragen. Auch wenn sie noch nicht komplett nach Bio-Richtlinien arbeiten, schätzt er sich und seine Kollegen als 7/9 Bio ein, dieses Jahr habe man etwa auf Herbizide verzichtet. Auch die fränkische Kulturlandschaft mit ihre Weinbergen, Magerrasen, Trockenmauern und seltenen Tier- und Pflanzenarten wollen sie erhalten.

Ein sehr lobenswertes Konzept, was durch den ordentlichen Geschmack des Weines und des Essens noch unterstützt wird. Dass so ein gemütlicher Abend gleich zur Unterstützung der fränkischen Umwelt, Gesellschaft und Landschaftskultur ausarten kann…

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