Kulinarische Historie in Sommerach

Der Eingang zum Zehnthof macht schon was her.

Der Eingang zum Zehnthof macht schon was her.

Sommerach liegt auf der so genannten Weininsel, ein großer Weinberg im Main, mit den Orten Sommerach und Nordheim. Die Insel entstand, als man von 1950 bis 1957 einen Kanal von Schwarzach bis Volkach baute, um die so genannte Mainschleife bei Nordheim und Escherndorf umfahren zu können. Wein wird in der Gegend wohl seit dem Jahr 900 angebaut. Acht Naturschutzgebiete gibt es hier. Sommerach ist geprägt von schönen Sandstein-Häusern aus dem Barock und einer spätmittelalterlichen Befestigungsanlage. Einen Parkplatz müssen wir nicht lange suchen.

Der Innenhof des Zehnthofes.

Der Innenhof des Zehnthofes.

Schaut unscheinbar aus, schmeckt aber umwerfend.

Schaut unscheinbar aus, schmeckt aber umwerfend.

Vor der Weinprobe füllen wir natürlich erst einmal unser Ränzlein. Wir setzen uns in den Gasthof Zum Schwan. Hm, wo bleibt die Bedienung? Wir stehen nochmal auf und schauen, ob es im Nachbargasthof günstiger ist. Nein, ist es nicht. Also gehen wir wieder zurück und setzen uns wieder hin. Schon etwas asso, aber wurscht jetzt. Dafür lasse ich es nun krachen und bestelle mir eine gute Johannisbeerschorle. Dazu gibt es eine herausragende Weincremesuppe, also so etwas Feines habe ich selten gegessen. Irgendein Gewürzgeschmack wie Zimt oder Nelken findet sich darin, auch die Croutons sind toll.

Le Sauerbraten.

Le Sauerbraten.

Weil es ein heißer Tag ist und die Suppe schon etwas gefüllt hat, bestelle ich mir Nudeln mit Egerlingen, Frühlingszwiebeln und Tomaten in einer Weinsoße. Diese Soße kommt leider nicht gegen die Suppe an. Denn die ist sowas von in Vorleistung gegangen, dass die Nudeln dagegen stark abfallen. Außerdem schaffe ich die normale Portion gar nicht. Am Abend freue ich mich aber doch, dass ich mir den Rest habe einpacken lassen. Besser wäre sicher der Sauerbraten gewesen, den sich die Kollegen genehmigen. Der ist ziemlich gut und feinsäuerlich. Denn er wurde mit Verjus gemacht. Das ist eine Art Essig aus unreifen Trauben und wurde im Mittelalter häufig verwendet. Mittlerweile ist er aber fast vergessen, weil wir ja zum Säuern meist Zitronen nehmen. Der Gasthof verkauft den Verjus in Flaschen, da ich aber keinen verkosten kann, nehm ich auch keinen mit. Ätsch.

Bunt und ungewohnt üppig.

Bunt und ungewohnt üppig.

Schön ausgemalt der Innenraum.

Schön ausgemalt der Innenraum.

Prächtig das Eingangsportal mit der Heiligen Familie, Gottvater und dem Heiligen Geist über der kleineren Türe.

Prächtig das Eingangsportal mit der Heiligen Familie, Gottvater und dem Heiligen Geist über der kleineren Türe.

Allerlei weinselige Sprüche finden sich an der Wand, die die Sinnenhaftigkeit und -freude des Weingenusses untermauern.

Allerlei weinselige Sprüche finden sich an der Wand, die die Sinnenhaftigkeit und -freude des Weingenusses untermauern.

Der Gasthof Zum Schwan stammt aus dem Jahre 1700, die Inneneinrichtung entstand um 1900, einige Wandmalereien sind von 1951. Im ersten Stock gibt es noch Gästezimmer und einen Tanzsaal, den wir uns aber leider nicht anschauen. Das Bayerische Denkmalpflegeamt stufte den Gasthof als eines der „außergewöhnlichsten und bedeutendsten Wirtshäuser[..] Frankens“ ein. Die Renovierungsarbeiten wurden 2001 mit der Bayerischen Denkmalschutzmedaille ausgezeichnet. Im Kellergewölbe werden auch Weinproben mit Brotzeit angeboten, aber erstens sind wir jetzt gefüllt und zweitens gehen wir lieber gleich zum Winzer.

Jetzt könnten wir uns nach links wenden, zum Winzerkeller Sommerach. Der ist durchaus schön gestaltet, Glasvitrinen, Kalkstein und eine dezente Beleuchtung machen ordentlich was her. Weil wir aber diese Weine auch im normalen Supermarkt erstehen können, sind wir heute nicht bei ihm zu Gast.

Hinab in die Historie...

Hinab in die Historie…

...wo es schön kühl ist.

…wo es schön kühl ist.

Also gehen wir nach rechts. Weingüter mit dem Namen Zehnthof gibt’s so einige in Deutschland, aber zum Glück nur eines in Sommerach. In einem Zehnthof lebten früher die sogenannten Zehntpächter, die zehn Prozent ihrer erwirtschafteten Güter beim weltlichen oder geistlichen Eigentümer abgeben mussten. Dieser Zehnhof stammt von 1682 und wurde damals schon von Mönchen zum Weinbau genutzt. Aufgrund dieser Historie finden wir einen wunderbaren Bau vor. Ein kleines Türmchen, einen schönen Innenhof und einen Keller, holla!

Das Tonnengewölbe des Zehnthofs.

Das Tonnengewölbe des Zehnthofs.

Wir klingeln an der Haustür, die Winzerin kommt heraus und führt uns durch den Hof an ein großes Holztor. Das schließt sie auf und wir folgen ihr über eine alte, steile Treppe in den uralten Keller, ein Tonnengewölbe. Sehr fein und zum Glück auch kühl. Hier stehen ein kleiner Tresen und hunderte Weinkisten. Zuerst verkosten wir den Müller-Thurgau, der hat schon bei der Berlin Wine Trophy die Goldmedaille gewonnen. Zu Recht! Gilt der Müller-Thurgau anderswo als Billigwein, hier ist er es definitiv nicht. Zumindest was die Qualität angeht. So einen guten Müller findet man wohl kaum anderswo. Exotische Früchte, Birnen und ein bisschen Spritzigkeit, ein top Wein! Preislich ebenso ein Schnäppchen, gerade mal 5,50 Euro zahlen wir für die Flasche. Der Bacchus und die Scheurebe sind zwar auch gut, mir aber etwas zu mineralisch. Vielleicht hätten wir die besser vor dem Müller probiert??? Allzu spät im Jahr sollte man das Weingut nicht besuchen, einige Weine sind schnell ausgetrunken.

Wer gut essen will, der ist in Sommerach richtig. Wer Wein einkaufen will, sollte das im Frühjahr/Sommer tun, oder zum Winzerkeller fahren, der hat größere Weinreserven. Und wer ganz viel Zeit hat, der darf sich die Gegend auch komplett per pedes anschauen.