Wein an Main – und Autobahn

Moderne Einrichtung im historischen Haus gibts beim Meintzinger.

Moderne Einrichtung im historischen Haus gibts beim Meintzinger.

Bislang waren wir ja schon in Würzburg unterwegs, Escherndorf und Umgebung durfte natürlich auch nicht fehlen. Zeit, sich mal südlich von Würzburg umzusehen. Sulzfeld, Frickenhausen, Sommerhausen, drei putzige Orte am Main. Mit allerhand Winzern, die wir natürlich nicht alle besuchen können. Pro Ort ein Winzer, ausgewählt nach Preis, Qualität und Fruchtigkeit des Angebots.

Viele Winzer, gerade im gehobenen Preissegment, bauen fast nur noch trocken aus. Das sagt den Geschmäckern der jungen Leute nicht so zu, weil wir in einer sehr süßen Welt aufgewachsen sind. Außerdem sind Auslesen deutlich länger haltbar.

Gediegen gehts beim Brennfleck zu.

Gediegen gehts beim Brennfleck zu.

Ein Winzer sollte auch immer Hilfe von oben haben.

Ein Winzer sollte auch immer Hilfe von oben haben.

Sulzfeld liegt südlich von Kitzingen. Von der Hauptstraße führen schöne Einfahrten in den Ort durch Torhäuser der Stadtmauer. Aber leider darf da der Normalsterbliche nicht durchfahren. Also heißt es suchen, suchen, suchen, bis man endlich den erlaubten Einlass findet.

Im Ort selbst geht die Sucherei weiter. Positiv sind die verwinkelten Straßen, mit ihren Fachwerkhäusern sind sie sogar bei Regen sehr hübsch. Negativ sind die verwinkelten Straßen, in denen es sogar mit Navi schwer ist, sich zurechtzufinden.

Der Brennfleck war Hoflieferant Ludwigs III.

Der Brennfleck war Hoflieferant Ludwigs III.

Endlich bin ich in der richtigen Straße angekommen. Zunächst sehe ich kein besonderes Schild, das auf das Weingut Brennfleck hinweist. Also stelle ich das Auto auf einem Parkplatz ab, der wie zu einem Weingut gehörend aussieht.

Gegenüber dann tatsächlich das Weingut Brennfleck, und man kann hier durchaus von Gut sprechen, weil das ist echt nobelhobel. Ein paar Treppenstufen rauf zum herrschaftlichen Eingang. Geläutet und in einen Empfangssaal mit Stuck an der Decke eingetreten. Neben dem Weingut Luckert gehören die Brennflecks zu den renommiertesten Winzern des Ortes.

Selbst bei Regen schat Sulzfeld gut aus.

Selbst bei Regen schaut Sulzfeld gut aus.

Wer nicht in Sulzfeld wohnt, darf den Ort durch diese Tore nur Verlassen. Sehr einladend.

Wer nicht in Sulzfeld wohnt, darf den Ort durch diese Tore nur Verlassen. Sehr einladend.

Eine Angestellte (ja, die haben Angestellte, normalerweise wird man ja sonst von der Winzerfamilie bedient) kommt sogleich und fragt nach meinem Begehr. Weniger die trockenen, eher die Fruchtigen. Da bleiben nicht viele übrig. Ich fange mit dem Bacchus aus der Literflasche an. Hätte ich vielleicht nicht tun sollen. Denn der ist einer der fruchtigsten bei dieser Probe, fast alle anderen, obwohl hochwertiger, fallen dahinter schon ab.

Da wäre zum Einen die Empfehlung der Bedienung, der Silvaner Kabinett trocken namens Anna-Lena (die Brennflecks benennen besondere Weine nach ihren Kindern). Bestimmt kein schlechter Wein, aber nach dem Bacchus schwierig. Also gehe ich gleich über zum Bacchus Kabinett und zur Scheurebe Kabinett trocken. Dann will ich natürlich noch die große Kunst verkosten, die Auslese der Scheurebe und des Silvaners. Ganz fein, wobei sie mir noch nicht ganz an die von Horst Sauer heranreichen. Dennoch wird sich später herausstellen: das waren die besten des Tages.

Der Rosmarin wächst prächtig in Franken am Main.

Der Rosmarin wächst prächtig in Franken am Main.

Leider greife ich nicht zu diesen Auslesen. Die Bedienung empfiehlt mir noch den Rotling, na gut, ich probiere ihn mal, aber er kann leider gegen die Wucht des vorher Genaschten nicht mehr standhalten. Stattdessen kaufe ich zwei Literflaschen vom Bacchus und zwei Bocksbeutel derselben Rebsorte und einen Rotwein namens Antonia. Von Rotwein verstehe ich nicht allzuviel, aber er ist durchaus trinkbar.

Die Kiste über die Straße getragen und noch einmal die pittoreske Szenerie angeschaut. Dicke Rosmarinbüsche wachsen zwischen den Sandsteinmauern und den Fachwerkhäusern, so südlich kann Franken sein!

Den Ort darf ich dann auch standesgemäß durch eines der Tore verlassen, sehr fein. Auf dem Weg nach Frickenhausen komme ich an Weinbergen vorbei, die aber mit vielen Hecken und Bäumen durchsetzt sind. So dürften sie im Winter nicht so kahl wirken, wie die reinen Weinrebenmonokulturen, etwa am Würzburger Stein.

Nicht Schottland, sondern Unterfranken.

Nicht Schottland, sondern Unterfranken.

In Frickenhausen fahren wir erst einmal durch ein Turmtor hinein, hier heißt man den Gast also willkommener als in Sulzfeld. Das Weingut Meintzinger besitzt auch ein Hotel, man kann durchaus sagen das erste Haus am Platze, holla! Außen historisch, innen modern, immer stylish. Ein junger Mann bedient mich. Ich erkläre ihm den Ernst der Lage, wenig Trockenes bitte. Wir beginnen beim feinfruchtigen Bacchus aus der Literflasche. Der hat immerhin 12,4 Gramm Restzucker. Ein wirklicher Geheimtipp! Derartige Aromen wird kein anderer Literwein des Tages haben. Danach wird mir der „tag 15“ empfohlen. Ein ebenfalls feinfruchtiger Bacchus mit ähnlich hohem Zuckergehalt. Den baue der Sohn selbstständig auf einer Weinbergsparzelle an, erklärt man mir sichtlich stolz. Ich probiere, je nun, nein, ist mir zu klar und zu mineralisch. Anschließend probiere ich den feinfruchtigen Riesling. Was ist denn das? Der schmeckt ja genauso?! Owei, es ist Zeit, die Geschmacksnerven zu rebooten. Also frage ich nach Wasser und Brot. Das Mineralwasser kommt sogleich, das Brot muss er noch holen. Das ist aber kein Holzofen- oder Bauernbrot, sonder eher so die Richtung Südtiroler Schüttelbrot. Es kommt aber vom Ort und nennt sich Weinblatt, eine Art Knäckebrot mit Salzbrocken, Kümmel und Sesam drauf. Ganz gut als Snack, allerdings wäre ein weicheres etwas besser geeignet, um den Geschmack wieder auf Null zu stellen.

Also gebäudetechnisch klotzt der Meintzinger ordentlich.

Also gebäudetechnisch klotzt der Meintzinger ordentlich.

Ich probiere also noch eine trockene Scheurebe, einen feinfruchtigen Traminer, den Süd Süd Rieslaner mit 45,5 Gramm Restzucker und einen Riesling mit 26,5 Gramm Süße. Die Rieslaner Auslese hat dann fast 140 Gramm Restzucker, kommt aber nicht ganz im Geschmack an die vom Brennfleck hin.

Mit dürfen zwei Süd Süd Rieslaner, ein Traminer und zwei Literflaschen Bacchus.

Anschließend marschiere ich doch noch etwas durch den Ort. Wieder finden wir schöne Bausubstanz aus diversen Jahrhunderten. Bei einer Bäckerei kehre ich ein und frage nach Espresso. Vielleicht können mir dessen Bitterstoffe meinen Geschmack wieder herstellen. „Espresso haben wir nicht, aber Sie können einen doppelten kleinen Kaffee haben.“ Das ist wohl die seltsamste Größenangabe seit dem Strutz im Zoigl, nehm ich also. Kostet 2,20, genauso wie die Packung Weinblätter, die gönne ich mir auch.

Frickenhausen ist nicht groß, ein Spaziergang lohnt sich allemal.

Frickenhausen ist nicht groß, ein Spaziergang lohnt sich allemal.

20160616_15434320160616_160518

Bei gutem Wetter kann man hier am Main ein Picknick mit Wein machen. Nicht im Bild: Die Fabriksilos.

Bei gutem Wetter kann man hier am Main ein Picknick mit Wein machen. Nicht im Bild: Die Fabriksilos.

Als ich an der Kirche vorbeikomme, sehe ich daneben eine Espressobar. Na toll, aber zu spät. Die Kirche selbst ist eher schlicht, gleich daneben ist noch das Weingut Bickel-Stumpf.

Nochmal moderne Gemütlichkeit in Frickenhausen.

Nochmal moderne Gemütlichkeit in Frickenhausen.

Anschließend gehe ich runter zum Main, ganz lauschig da, ruhig fließt der Fluss vorbei. Allerdings stören mehrere große Türme das Panorama. Was ist denn das, ein Zementwerk? Als ich den Ort verlasse, sehe ich kurz danach eine Fabrik von Danone. Bei übermäßigem Genuss sorgt Zement für Verstopfung, die Danone dann wohl wieder lösen muss.

Später will ich doch einmal herausfinden, um was es sich bei dieser Zementfabrik wirklich handelt. Das Luftbild sieht eher aus wie eine Kläranlage. Aber nein, weit gefehlt, es ist eine Südzucker-Fabrik. Passend also zu Danone in der Nachbarschaft.

Nun unterqueren wir die Autobahnbrücke der A7. Das Gebiet liegt nahe beim Autobahnkreuz der A3 und A7. An einem der dichtbefahrensten Gebiete Bayerns finden wir also auch zahlreiche namhafte Weingüter.

Die weitere Route führt uns nach Sommerhausen. Den Ort selbst besuchen wir aber nicht, sondern biegen vorher auf eine Straße ab, die mitten in die Weinberge führt. Oder besser gesagt, auf den Weinberg führt. Von oben hat man eine tolle Aussicht auf das Maintal und die umliegenden Dörfer und Weinberge. Außerdem stehen noch irgendwelche Figuren zwischen den Reben, Kunst im Weinberg. Zunächst kommen wir am Weingut Steinmann vorbei. Hier gäbe es eine hervorragende Rieslaner Auslese zu einem sehr fairen Preis, außerdem wird man auf Weinproben gut mit Brot und sogar Aufstrich versorgt.

Die Kirche in Frickenhausen vereinigt Gotik und Barock.

Die Kirche in Frickenhausen vereinigt Gotik und Barock.

Heute aber suche ich das Weingut Felsenhof, und das ist gar nicht mal so leicht zu finden. Das Weingut Steinmann und ein weiteres sind ausgeschildert, aber nicht der Felsenhof. Endlich finde ich ihn, stehe aber vor verschlossener Türe. Nachdem ich geläutet habe, wird mir aufgetan. Eine sehr heitere und wohl auch etwas angeheiterte Seniorengruppe sitzt schon drinnen und weinprobt munter vor sich hin.

Die sehr kommunikative Herrin des Hauses stellt mir die Getränke vor. Ich weise sie darauf hin, dass das Weingut wegen mangelnder Beschilderung schwer zu finden sei. „Aber dafür sind wir das einzige, bei dem Felsen vorm Haus stehen.“ Ja gut, wenn man denn schon vor der Türe steht, dann ist es leicht zu finden…

Frau erklärt viel und findet es überhaupt keine gute Idee, dass ich vorher Kaffee getrunken habe. Das würde die Geschmacksnerven ganz und gar nicht auf Null stellen.

Der trockene Silvaner geht so, vom halbtrockenen Bacchus nehme ich mir einen Bocksbeutel mit. Von der halbtrockenen Scheurebe nicht, die schmeckt knackiger, aber auch säuerlicher. Die restsüße Weine im Bocksbeutel sind alles Spätlesen, leider ist kein Restzuckergehalt angegeben. Die Halbtrockene Scheurebe etwas herb, der fruchtsüße (was auch immer das heißen mag) Gewürztraminer ist gut und leicht säuerlich, davon nehme ich mir zwei Flaschen mit. Die fruchtsüße Scheurebe ist leicht blumig, kommt aber nicht in den Einkauf. Von den Literweinen probiere ich den halbtrockenen Kerner, der ist knackig und leicht saftig, da dürfen zwei Flaschen mitfahren, den halbtrockenen Bacchus finde ich dagegen weniger gut.

Hmmmm, selbst gebackener Cappuccino.

Hmmmm, selbst gebackener Cappuccino.

Eine Besonderheit haben die Felsenhofer noch, und zwar Weichselsecco. Also Secco aus Sauerkirsche. Der schmeckt anfangs eher säuerlich, aber dann immer mehr wie Hubba Bubba Kirsche. Öha! Klar, der muss mit!

Während meine Weine verpackt werden schaue ich aus einem Saal des Weinguts über die Weinberge. Die Dame des Hauses kommt dazu und fragt, ob ich mir wohl den Hagelschaden anschaue. 90% der Trauben seien im Entstehen vernichtet worden. Das zusätzliche Regenwetter sorgt für weitere Verzweiflung bei den Winzern, was diesen Jahrgang angeht. Also liebe Leser, dieses Jahr noch eindecken und die Winzer unterstützen!

Diverse Skulpturen, mal mehr, mal weniger gelungen stehen im Weinberg herum, die Aussicht ist meist das schönere.

Diverse Skulpturen, mal mehr, mal weniger gelungen stehen im Weinberg herum, die Aussicht ist meist das schönere.

Ich fahre los, vor mir die große Brücke der A3. Eigentlich ein überschaubares Weingebiet zwischen A3, A7 und dem Main mit allerlei guten Winzern. Die allerdings schon recht stark auf trockenen Ausbau setzen. Der Felsenhof hat preiswerte Weine bei schöner Aussicht im Angebot, gut geeignet für Einsteigerweinproben. Der Meintzinger punktet mit dem besten Literwein. Und beim Brennfleck hat man nobles Ambiente und die beste Auslesen, darf dafür aber einige Moneten da lassen. Lohnen tut sich so ein Ausflug allemal, da die Orte Sulzfeld, Frickenhausen und Sommerhausen an sich mit punkten.