Weintour nach Escherndorf

Guten Wein bekommt man im Geschäft, den besten Wein bekommt man beim Winzer. Und den allerbesten Wein bekommt der kleine Geldbeutel in Escherdorf, einem Dorf bei Volkach. Ein Ausflug, der sich lohnt! Drei Stunden Zeit, inklusive Anreise von Würzburg und Weinprobe bei dreien der besten fränkischen Winzer. Drei Stunden, und man stößt in sensorische Galaxien vor, die noch nie ein Mensch zuvor geschmeckt hat. Außer diejenigen, die schon mal in Escherndorf waren.

Wein

WeinreihenfolgeEscherndorf liegt am Escherndorfer Lump und an der Vogelsburg, kaum ein fränkischer Kalender kommt ohne dieses Motiv aus. Aber weg vom Postkartenkitsch. Wir wollen ja was trinken. Wir fahren in den Ort rein, und nach der einzig größeren Kreuzung finden wir rechterhand den Winzer Horst Sauer. In der Bocksbeutelstraße, da isser wieder, der Herr Kitsch. An das Weingut Horst Sauer traut er sich aber nicht ran. Ein Kubus aus dunklem Stein, innen drin mit grünlichem Milchglas und hellem Holz hergerichtet. Edel, fein, modern. Aber nicht steril. Der Winzer aus einer nicht allzufernen Zukunft. Sogar die Klos sind schick. Horst Sauer ist Mitglied im Verband deutscher Prädikatsweingüter. Die Qualität wird hier nicht nur vom Kunden, sondern auch vom Verband kontrolliert. Was sich allerdings auch im Preise niederschlägt.

Wie der Raum sind auch die Kundschaft und die Bedienung etwas feiner. Aber freundlich.

Im Horst Sauer nehmen wir deliziöse Rieslinge mit und auch ein paar gute Bacchuse. Die Eisweine sind nicht für das Anfänger-Portemonnaie geeignet. Aber wir dürfen auch ein paar Spätlesen probieren. So, alles ins Auto verladen. Nebenan gibt’s ein nettes, etwas angeraunztes Lokal. Den Magen füllen und die Geschmacksnerven wieder runterfahren.

Wieder Wein

Gegenüber ist das Weingut Rainer Sauer. Angeblich laut Gault Millau der König der Silvaner. Hier finden wir viel Kalkstein verbaut, wie auf den meisten dortigen Dörfern. Wir läuten, die Tür geht auf und wir laufen über den Hof in den ersten Stock. In der semi-gemütlichen Stube wird nun Wein verköstigt. Joa, der Silvaner ist nicht schlecht. Es ist auch einer der wenigen Frankenweine, den der Dallmayr in München im Angebot hat. Bei der großen Dallmair-Weinverkostung vor 2 Jahren in der Bayerischen Staatsbibliothek war er für meinen Geschmack einer der besten. Und wohl mit Abstand der günstigste. Für unter 7 Euro bekommt man hier einen soliden Silvaner (dessen Preis im Café Dallmayr auf über 25 Euro  ansteigt). Also lieber gleich beim Produzenten kaufen.

Wasser und WEinWas aber beim Rainer Sauer auch besorgt werden kann, ist die Cuvée, feinfruchtig. DER Geheimtipp: Die Kerner Auslese. 8,50 kostet sie. Und ist jeden Cent wert. Ein so unglaubliches Geschmackserlebnis, ach was, eine Geschmacksexplosion. Fruchtig, honigartig, wie wenn eine Hubba-Bubba-Atombombe im Mund hochgeht. Leider keltert unser Winzer davon nur circa alle fünf Jahre einige Flaschen. Also, wer fruchtiges mag, der sollte zugreifen, so lange der Vorrat reicht. Denn diesen Weißwein kann man tatsächlich einige Jahre lagern.

Überraschung: noch mehr Wein

Unsere dritte und letzte Station im Weindorf ist Paul/AlbrechtSauer, das Weingut am Lump. Die Weinetiketten wirken etwas billig, und genauso ist auch der Preis der meisten Weine. Aaaaaber, das sagt nichts über die Weinqualität. Denn die ist herausragend. An der Wand hängen diverse Staatsehrenpreise und sogar eine Menükarte. Aus der bayerischen Staatskanzlei. Von einem Staatsempfang. Neben einen dort genannten Wein hat jemand etwas hingekritzelt: „That wine was wonderful.“ „I agree.“ Der Wein: Von unserem Weingut. Die beiden Schreiberlinge: Barbara und George Bush senior. Auch bekannt als Ex-First-Lady und Ex-Präsident der USA.

Auch die Diözese Würzburg bekommt hier Wein für die Gottesdienste geliefert. Was für das Blut des Herrn würdig ist, sollte auch der Weintrinker andächtig genießen.

Die Literflaschen fangen hier bei 4,30 Euro an, wir greifen zum Bacchus, sowohl in der Literflasche, als auch im Bocksbeutel. Wobei die Literflasche sogar etwas fruchtiger ist. Scheurebe und Kerner machen Laune. Hier kann man sich günstig mit Auslesen usw. eindecken. Besonders muss ich auf den Rieslaner hinweisen, der ist immer eine fantastische Spitzen-Wahl.

Großes Lob von großen Leuten für einen großen Wein

Großes Lob von großen Leuten für einen großen Wein von einem kleinen Weingut mit winzigen Preisen

Hier werden zum Wein kein Brot, sondern Salzstangen gereicht. Macht nix. Wenn man die Bestellungen aufgegeben hat, verpackt die Verkäuferin die Weine in Kartons. Bitte überprüfen, ob auch die bestellten Weine drin sind, manchmal vertut man sich hier.

Damit ist unsere Weintour beendet. Wir machen uns auf den Heimweg, der Kofferraum ist mit Kartons vollgestapelt. Dafür sind wir jetzt für eine lange Zeit mit herausragenden Weinen ausgerüstet. Auf unserem Konto ist zwar eine kleine Delle, aber im Vergleich zu Wein vergleichbarer Qualität haben wir Unsummen gespart. Das freut den Geldbeutel und den Geschmack. Eine unterfränkische win-win-Situation.

Horst Sauer, Rainer Sauer, Paul Sauer, in Astheim Bruno Sauer, merkwürdig, oder? Der Name ist zum Glück nicht Programm. Die Sauer-Weine glänzen eher durch gegenteilige Fruchtigkeit, vielleicht strengt man sich mit so einem Namen mehr an. Angeblich sind die Familien nicht miteinander verwandt, aus anderen Quellen erfährt man nur über sieben Ecken. In Nordheim, auf der anderen Flussseite, sprachen wir den Verkäufer der Winzergenossenschaft Divino Nordheim darauf an. Der lachte nur, nein, er heiße nicht Sauer. Da klingelte das Telefon, seine Kollegin ging ran: „Winzergenossenschaft Nordheim, Sauer am Apparat.“

Wo wir schon so schön in Stimmung sind, fahren wir noch etwas weiter: Zu ausgefallenen Weingütern und denen in der großen Stadt Würzburg.

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