Würzburg im Herbst

Mei Würzburg, was für eine Stadt! Kleiner Ausflug dahin gefällig? Im Sommer oder noch besser zur Weinlesezeit im goldenen Herbst bietet sich allemal ein Trip an. Beginnen wir mit dem Mittagessen im Hotel Franziskaner. Noooja, jetzt nicht schlecht, aber es geht doch besser. Irgendwoanders bestimmt.

Prost!

Prost!

Anschließend spazieren wir durch die Gegend und bewundern den herbstlichen Park der Residenz. Viele Asiaten machen lebensechte Abbilder der Realität mit diesen neuartigen, so genannten Fotoapparaten. Ein türkisches Hochzeitspaar freut sich auf eine hoffentlich gute gemeinsame Realität. Weiter spazieren wir durch die Stadt vorbei am Paradeplatz. Den Dom lassen wir links liegen und kaufen uns ein Eis beim Café (am Dom). Sehr fein hier, nur leider gerade nicht im Angebot: Walnuß-Feige. Die anderen Sorten sind aber ebenso zu empfehlen. Omnomnom reingemampft und die Neumünsterkirche angeschaut, meiner Meinung nach der schönste Kircheninnenraum in Würzburg. Erst vor weniger Jahren komplett restauriert, verbindet die Kirche das Gedenken an die Gründungsmärtyrer mit der christlichen Kunst von Romanik, Gotik, Barock bis hin zur Gegenwart, alles fügt sich wunderbar zusammen zu einem edlen, aber erfrischenden Ohoo.

Weiter bis zum Innenhof des Juliusspitals. Wunderbar im Herbst mit seinem Brunnen der großen fränkischen Flüsse. Wir können noch draußen sitzen (weil für uns drinnen kein Platz mehr ist) und so bestellen wir da erst einmal, ja was denn nun? Den Hausschoppen, die Scheurebe, einen Traubensaft und einen Federweißer. Den trinke ich und da habe ich schon allerhand bessere getrunken. Es ist viel Hefe drin, wahrscheinlich habe ich den Rest der Flasche bekommen, am Boden sammeln sich ja die Reste der Gärhelferlein. Der Hausschoppen kam so lala an, die Scheurebe kann man gelten lassen. Wer etwas Geld übrig hat: Als Bocksbeutel gibts auch sehr, sehr feine Tröpfchen, holla die Waldfee!

Open Air Getränke

Vor all dem Trinken im Lokal des Spitals wollen wir jedoch das Trinken in freier Wildbahn, alias das Trinken auf der Alten Mainbrücke nicht vergessen.

Das Gasthaus zur Alten Mainmühle hat eine einzigartige Marktlücke erkannt und einen Straßenverkauf eröffnet. Mit wunderschönem Blick über die Statuen der Mainbrücke hinauf zur Festung und dem Käppele. 3,50 kosten Weißwein und Rotling, geschmacklich passts, 5 Euro Pfand, hoho, aber die Schlange. Immer diese Menschen! Stehen da an! Unzählig viele! Und wollen was trinken! Wie lange das dauert! Argh! Unser Glas ist zu schnell leer geworden und nun sitzen wir auf dem Trockenen. Jetzt könnte man entweder schnell in den Laden der Gebietswinzergenossenschaft gehen und sich da ein Gläsle holen, ooooder: Des Rätsels beste Lösung: Ab in den Kupsch. Dort für 1,99 Euro ein schönes Weinglas gekauft und eine Flasche Scheurebe. Leider gabs nur teure Scheureben vom Juliusspital, also greifen wir zu der vom Hofkeller. 6,99 die Flasche, und hey, der Wein ist echt fein. Leider etwas zu warm. Vielleicht hätten wir noch einen Beutel Eiswürfel mitnehmen sollen.

Nachdem ein, zwei oder mehrere Gläsle die Kehlen hinunter geflossen sind, steht das Abendessen an.

Wenn die Suppe länger steht, gibts eine Steinpilzsuppenhaut, wer's mag...

Wenn die Suppe länger steht, gibts eine Steinpilzsuppenhaut, wer’s mag…

Reserviert wurde, nobelhobel, im Backöfele. Preislich liegt das über dem Würzburger Durchschnitt, aber auch geschmacklich?

Von außen besticht schon einmal der sehr schöne Bogeneingang, auch innen wirkt es gemütlich. Doch hinsetzen, neeee, das geht noch nicht. Wir dürfen erst einmal im Chase, einer Cocktailbar nebenan, Platz nehmen, bis unser Tisch frei ist. Die Inneneinrichtung im Chase würde ich als “naja, passt schon” bezeichnen, besonders gemütlich wirkt’s nicht. Die Getränke passen. Endlich ist unser Tisch frei, hingesetzt und bestellt.

Ein schwäbisch-hallisches Landschwein mundet durchaus fein.

Ein schwäbisch-hallisches Landschwein mundet durchaus fein.

Das Distelhäuser ist gewohnt gut, zu späterer Stunde genehmige ich mir eine ausgezeichnete Rieslaner Auslese. Weitere Weine gibt’s von Rainer Sauer, ein hervorragender Winzer, bei dem die Flaschen aber deutlich, deutlich günstiger ab Hof verkauft werden. Der Espresso ist nichts besonderes, a weng lässt er sich mit Haselnussgeist aufpeppen.

Dieses Schnitzel kostet fünf Euro mehr, noja.

Dieses Schnitzel kostet fünf Euro mehr, noja.

Zum Essen gibt es Wild, Kürbisuppe und und und, was der Herbst so hergibt. Die Speisekarte ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet, ein sehr witziges Wimmelbild, das man gerne öfters anschaut, so lange man aufs Essen wartet. Ich nehme eine Steinpilzsuppe mit Wildschweinkrusteln. Die Suppe ist nicht von schlechten Eltern, aber jetzt auch nicht die beste der Welt. Die Krusteln sind eine Krustel, also Einzahl, ein gebratener Schinkenstreifen liegt oben auf. Weil die Suppe fast zeitgleich mit dem Hauptgang kommt, kann ich sie etwas abkühlen lassen. Meine Schwester hat das Schnitzel vom Kalb bestellt und muss dafür 18,50 berappen, fünf Euro mehr als ich. Ich habe nämlich das Schnitzel vom Schwäbisch Hallischen Landschwein genommen, einer besonders fein schmeckenden Nutztierrasse. Gut, sie hatte hausgemachten Kartoffelsalat dabei, aber ich einen Salat vom regionalen Gemüsebauern. Und ha, was findet sich unter den Salatblättern? Kartoffelsalat, hehehe. Geschmacklich bin ich mit meinem Schweinderl sehr zufrieden, da trauere ich dem Kalb überhaupt nicht nach.

Sangeslust

Nach dem Mahle packt die Verwandtschaft Gitarren und Liederbücher aus und dreißig Leute schallmeien inbrünstig zwischen Classic Rock, Schlager und Neuer Deutscher Welle. Die übrigen Gäste stört das nicht, es kommen sogar noch welche zu uns herüber und singen mit. So bis eins.

Zur Grundreinigung eines Wirtshauses gehört auch das Kehren, und das machen die jetzt auch mit uns, und zwar hinaus. Aber freundlich.

Wohin jetzt? Ab in den Nachwächter. Wir müssen kurz warten, bis ein paar Leute rauskommen, dann dürfen auch wir rein. Normalerweise fühlt man sich im Nachtwächter wie in einer Sardinenbüchse, warum sollte es heute anders sein. Das König Pilsener ist vergleichsweise günstig, die Musik sehr fein, und es gibt Ramazotti Sour, Vitamin C muss ja auch mal sein. Kurzum, gute Stimmung auf engstem Raum. Wir ziehen irgendwann weiter, auf zum Café zum schönen René. Hier gibts lecker Heiligen Alexander, dieses Getränk, das an alkoholisiertes Fruchtzwerge-Eis erinnert, macht noch des Öfteren die Runde.

 

Fromme Wünsche im Renée.

Fromme Wünsche im René.

Da ich den René ja schon zur Genüge beschrieben habe, ziehe ich nun weiter. Kurz noch im Boot vorbeigeschaut, einem Club, den ich demnächst noch ausführlicher beschreiben muss und ab in den Zauberberg. Boot und Zauberberg haben am Donnerstag den Doppeldecker, einmal zahlen und in beiden fortgehen. Da sie sich so geschwisterlich die Eintrittsgelder teilen, dürfen sie sich auch den Bericht teilen.

Irgendwann gehen auch hier die Lichter an, und ich versuche mein Glück noch einmal im Renée, aber hier macht man ebenfalls die Äuglein und den Club zu. Na gut, dann ab in die Heia. Schließlich darf man in Würzburg ruhig zum Morgengrauen daheim sein.

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